Verkaufe deine Seele – das fröhliche Spiel mit Ralf Rangnick
Entscheidungen anderer Menschen sind gemeinhin zu akzeptieren – auch wenn sie einem komisch vorkommen mögen. Mit besonders viel Fingerspitzengefühl gilt es eine Entscheidung zu bewerten, wenn der Entscheider nach einer Phase körperlicher oder psychischer Krankheit zurückkehrt ins Rampenlicht. So wie aktuell Ralf Rangnick. Rangnick ist ein guter bis sehr guter Trainer, das steht außer Frage. Nachdem er seine Rückkehr bekannt gab, hagelte es, so stellt es die Journaille dar, nationale und internationale Jobangebote.
Zunächst sollen Hertha BSC (nach Skibbe) und Bayer Leverkusen (nach Dutt) angeklopft haben, was Rangnick jedoch nicht bestätigte. Außerdem verdichteten sich die Anzeichen beispielsweise für Angebote des RSC Anderlecht, von Besiktas Istanbul und zuletzt West Bromwich Albion. Das klingt doch alles nicht so übel – zumal Rangnick einst auch betonte, unbedingt einmal in England arbeiten zu wollen. Nun gut, er hat diesen Klubs abgesagt, zumeist ohne (öffentliche) Begründung, möglicherweise hat es mit seinen Konzepten und den Erwartungen der Klubführung nicht gepasst. Oder er hatte immer noch ein besseres Angebot in der Hinterhand, auf dessen Erfüllung er warten wollte.
Jetzt hat es sich erfüllt: Ralf Rangnick wird Sportdirektor bei Red Bull – zuständig für Salzburg und Leipzig. Es ist die Meinung vieler Fußballfans, dass man seine Seele nicht übler verkaufen kann. In Rangnicks Vita hingegen wirkt es wie ein runder Abschluss. Erst die Engagements in der realen Fußballwelt beim SSV Ulm, dem VfB Stuttgart, Hannover 96 und dem damals noch russensponsorlosen FC Schalke 04. Dann die plötzliche Einführung als Kunstproduktsammler in Hoffenheim. Und nach einer kurzen Verirrung zurück nach Gelsenkirchen (diesmal immerhin mit Gazprom im Rücken) jetzt eben bei den Roten Bullen. Schön, dass dort für Rangnick wie er selbst so gerne sagt “alles zusammenpasst”.
Als Fußballfan hingegen kann man nur stundenlang mit dem Kopf schütteln, bei allem Fingerspitzengefühl und Verständnis. Wieso geht ein Trainer mit Angeboten solcher internationalen Traditionsklubs am Ende zum Sponsoringkonglomerat ohne jegliche Seele? Zählt es als Spieler und Funktionär denn gar nicht, dass es in anderen Vereinen ein Umfeld gibt, dass seit Jahrzehnten stolz auf die Vereinsfarben, den Verein, ist? Ist das alles, was den Fans so viel bedeutet, für Typen wie Rangnick so egal? Geht es nur um Geld und Allmacht und Selbstverwirklichung?
Wenn man sich für diesen Weg entscheidet, darf man sich im Umkehrschluss als Trainer (oder Sportdirektor) nicht wundern, wenn man in 90 Prozent der Stadien ausgepfiffen wird. Wenn man zum Feindbild hunderttausender Fans in Deutschland und Europa gemacht wird. Wer sich verkauft und dann auch noch von einem “spannenden Projekt” faselt, der “Chance, hier etwas aufzubauen” – hat den Respekt erst einmal verspielt.
Das gilt genauso für Spieler wie (neuestes Beispiel) Juri Judt, die 1. oder 2. Bundesliga spielen könnten und sich an die Vierte Liga verkaufen, nur weil es dort mehr Geld zu holen gibt. Ja, Spieler und Trainer müssen auch ihre Mark machen und davon langfristig leben können. Aber zu dem Preis, für immer das (zugegeben harsche) Siegel “Geldnutte” zu tragen? Ralf Rangnick hatte sich mit dem Eingeständnis seiner Krankheit wohl einige Sympathien in Deutschland aufgebaut. Diese Sympathien werden viele Fans demnächst wieder in den Kerker sperren. Zum Schluss sei Red Bull von dieser Stelle aus noch zu gönnen, dass Ralf Rangnick in etwa so “erfolgreich” mit den Millionen umgeht wie seine Vorgänger.


Im 4. Absatz wird zu dem Thema doch alles erklärt.
Als Fans stehen wir solchen Konzern-Vereins-Produkten sehr negativ gegenüber, da wir uns einem einzigen Verein verschrieben haben und uns dort mit grenzenloser Liebe, Emotionen und größter Leidenschaft förmlich täglich mitzufühlen. Wir lachen an guten Tagen und tanzen vor Freude, oder wir könnten tagelang heulen und durchleiden die größten Täler, mit unserer Liebe die wir unserem Herzensverein geschenkt haben.
Ralf Rangnick ist aber ein Fussballtrainer, für den nachvollziehbarer weise andere Dinge, als die aus Sicht der Fans relevanten Werte, zählen. In erster Linie ist Fussball ihr Arbeitgeber. Und da zählen dann vorallem Dinge wie -Geld, -Möglichkeit grenzenloser Ressourcen, -frei Hand seine Ideen umzusetzen und vieles mehr.
Von dieser Seite aus gesehen sollte man diese Entscheidung auch respektieren, da ein Trainer eben nicht die Fanrelevanten Parameter bei der Entscheidung über pro/contra anlegt und ganz andere Beweggründe hat.
Vorallem aber sollten wir aufhören diese Leute in den Dreck zu ziehen, weil einer Jeder Mensch, also auch wir moralkeulenschwingende Fans, mit Sicherheit auch eine Sekunde grübeln würden ab einer bestimmten Summe. Und man darf, ohne jemandem zu nahe zu treten, davon ausgehen dass auch jeder noch so überzeugte Fan “ja – ich will!” sagen würde, wenn der Pr€is stimmt. Nicht wahr?…… ;)
Und jetzt fehlt nur noch jemand der sagt -ich würde für kein Geld dieser Welt dort zusagen und im Zweifelsfall lieber mein ALG-II Geld beziehen- … denn das wäre verlogen und mindestens genauso zweifelhaft wie ein Engagement bei diesem Scheiß-Konzern, der den Fussball nur für seine Profitgier ausnutzt und auf jegliche Moral scheißt. Stimmts? :o)