15 Jahre im Unterhaus – wie Fortuna Düsseldorf eine ganz eigene Identität bekam
15 Jahre ohne Fußball-Bundesliga gehen für Fortuna Düsseldorf zu Ende – das steht seit Dienstag Abend 18.11 Uhr endgültig fest. Diese Durststrecke hat dem Verein und seinen Fans unheimlich viele schmerzvolle Momente gebracht. Doch vor allem hat es beide Parteien zusammengeschweißt. Und die Fans haben Unglaubliches erlebt, was man nur erleben kann, wenn der eigene Verein sich mal langfristig aus dem Sonnenlicht der 1. Bundesliga verabschiedet. Der Sportsaal wagt einen Rückblick, der auch als Liebeserklärung an den niederklassigeren Fußball zu verstehen ist und erklärt, warum Fortuna Düsseldorf ein Verein mit einer ganz speziellen Identität geworden ist.
Teil 1: Abwärts, immer nur abwärts
Wann war eigentlich der Tiefpunkt? War es 1999 der Abstieg aus der 2. Bundesliga mit einer mit Söldnern gespickten Mannschaft, als die Vereinsführung die Millionen nur so verschleuderte? War es 2001 als nur der Lizenzentzug für den SV Wilhelmshaven half, die Drittklassigkeit zu halten – ein gefühlter Akt der kompletten Entwürdigung? Oder waren es einzelne Blamagen – das blutleere 0:6 in der Oberliga beim Wuppertaler SV; das 1:4 in Düren; oder doch das 0:1 im Verbandspokalfinale gegen die SSVg Velbert 2003 als 6.000 Fortunen, die sich so sehr nach der Rückkehr auf die größere nationale Bühne sehnten, mit einer bitteren Enttäuschung im Regen stehen gelassen wurden?
Grob könnte man sagen, die Fortuna erlebte nach dem Bundesligaabstieg 1997 fünf bis sechs Jahre eines sich immer wieder selbst beschleunigenden Tiefpunkts. Vor knapp zehn Jahren war Fortuna Düsseldorf in einer bemitleidenswerten Bedeutungslosigkeit verschwunden. Eine ganze Generation von Fans kehrte dem Verein in dieser Zeit den Rücken, in der Stadt wollten Sponsoren und Bewohner nichts mehr von der Fortuna wissen. Wer geblieben ist, weiß heute, wo die “Stadien” in Freialdenhoven oder Velbert stehen. Generell ist das kein schönes Wissen, doch es erlaubt einen ganz anderen Blick auf einen Bundesligaaufstieg als in Klubs, die hochstens mal zwei Jahre in der 2. Liga verbringen und das schon für die maximale Zumutung halten.
Anfang dieses Jahrtausends war der Verein Fortuna Düsseldorf hoch verschuldet. Aus der Ferne lässt sich nur erahnen, wer alles dabei geholfen hat, ihn vor dem endgültigen Ruin zu bewahren. Wer sich durch Nacht und Nebel kämpfte, um ein Zukunftskonzept zu entwerfen, unberührt von den desaströsen Vorstellungen, die eine identitätslose Truppe Woche für Woche im Trikot des Traditionsvereins bot. Drei Abstiege innerhalb von fünf Jahren, ein steter Rückbau der Erwartungen, die während sie immer kleiner wurden noch unerwarteter enttäuscht wurden. Es war für die Fortuna-Fans und auch die Verantwortlichen ganz schwierig, den Erstligaanspruch in Einklang zu bringen mit Pflichtspielen gegen Dorfvereine oder Zweitvertretungen von langsam verblassenden Dauergegnern wie Köln, Gladbach oder Duisburg. Während im großen Fußballgeschäft die großen Geschichten geschrieben wurden, geriet die Fortuna in Vergessenheit – genauso wie es aktuell Rot-Weiß Essen oder dem 1.FC Magdeburg ergeht.
Teil 2: Ganz ganz unten ist es schön
Doch genug der Weltuntergangsstimmung; schließlich soll diese Geschichte auch zeigen, wie schön es in den Niederungen sein kann. Zumindest, wenn man am Ende den Kopf wieder aus der Schlinge gezogen hat. Denn dort unten gibt es Topzuschläge auf Bezirkssportanlagen, mit denen die kleinen Klubs versuchen ihren Jahresetat auf Kosten der Topklub-Fans zu verdoppeln. Da steigt der Preis für einen miesen Oberligakick gern mal von vier auf zehn Euro für einen unüberdachten Stehplatz, von dem aus man mit einem Fernglas gerade so das gegenüberliegende Tor erahnen kann. Dafür sind andererseits die Gesichter unbezahlbar, wenn auf einem Wald- und Wiesensportplatz wie in Freialdenhoven die halbe Fanschar Pyro hinter dem Stankett auspackt und die Anlage in dicke Rauchschwaden hüllt. Das hatte die gemütliche Provinzfußballmeute auch noch nicht gesehen.
Bei Schwarz-Weiss Essen stand die Bierbude an der Eckfahne. Um sie zu erreichen, mussten die Fortuna-Fans an der Seitenauslinie entlanglaufen. Was dazu führte, dass die meisten Fans nicht wieder in den Block zurückkehrten, sondern auf der Stadionlaufbahn sitzen blieben. Spätestens als jemand einen Wasserschlauch entdeckte und damit die in der Hitze sitzenden Gästefans nasszuspritzen begann, war dies kein Profifußballspiel mehr, sondern ein Sommertagsausflug. Dass vom Spielfeldrand der Platzsturm nicht mehr fern war als Fortuna kurz vor Schluss das 3:2 erzielte: eine Randnotiz.
Doch was tut man langfristig als Fan, wenn der eigene Verein im Mittelmaß der Oberliga rumkrebst (2002/03: 8.Platz). Wenn der eigene Verein es schafft, sieben von dreizehn Elfmetern in einer Oberligasaison zu verschießen. Wenn der eigene Verein ein Intermezzo der Durchschnittlichkeit in der Oberliga einlegt und die sportlichen Highlights mehr als rar gesät sind. Dann müssen ab und zu die Fans einspringen und für unvergessliche Momente sorgen. Während des sportlich schnell vergessenen 0:1 der Ende 2003 endlich als Tabellenführer geführten Fortuna zu Hause gegen den GFC Düren am Nikolausabend kletterte ein Inkognito-Fortune im Kostüm des heiligen St. Nikolaus auf ein Toilettenhäuschen und lieferte die beeindruckendste Ein-Mann-Pyro-Show der Vereinsgeschichte.
Es sind diese Geschichten (die mit dem Film “Nie mehr Oberliga” ein Monument der Düsseldorfer Zeitgeschichte verliehen bekommen haben), die man in den Stadien der Bundesliga nicht erleben kann. Nirgends ist man näher dran an seinen Helden (und manchem Anti-Helden) als im Amateurfußball. Nirgendwo sonst gibt es auf der “Haupttribüne” von den Spielerfrauen selbstgebackenen Streuselkuchen (wie bei der SSG Bergisch-Gladbach). Nirgendwo anders sieht man Verbandspokalhalbfinalspiele, bei denen ein Rettungswagen plötzlich halb auf dem Spielfeld steht, weil der Fahrer es mit dem Fußballbetrieb nicht ganz so genau nimmt. Nirgendwo außer hier erträgt man so viel Demütigung (wie beim Verbandspokalfinale 2004, als die Essener Fans ein Plakat mit der Aufschrift “für euch das Spiel des Jahres, für uns der Witz des Tages” aufhingen und eine verbesserte A-Jugend des damaligen Zweitligaaufsteigers RWE die Fortuna auch noch mit 2:0 nach Hause schickte) und erfährt gleichzeitig unendlichen stolz, weil man die Bedingungslosigkeit der Fanliebe spürt. Nirgendwo sonst hält man ein Stadion mit mehr als 5.000 Zuschauern für eine Riesenattraktion und weint fast Freudentränen, wenn die Zuschauerzahl endlich mal wieder fünfstellig ist.
Teil 3: Aufwärts, ganz langsam aufwärts
Und das ist das romantische an dem langsamen Aufstieg, den Fortuna seit dem Absprung aus der Oberliga in die damalige Regionalliga Nord hingelegt hat. Immer sind der Verein, seine Aufgaben und Ansprüche, peu à peu gewachsen. Nach dem Aufstieg wehte ein anderer Geist als noch in den Söldnerjahren Ende der 90er Jahre. Man wurde zwar immer noch mehr als mitleidig angeschaut, wenn man sagte, man gehe zur Fortuna. Die im Portemonnaie steckende Dauerkarte war in den Augen der Mehrheit von Freunden und Familie der direkte Passierschein für die Einweisung in die Psychatrie. Immer noch fragten Fans anderer Vereine Dinge wie “Fortuna – gibt’s die noch?”. Doch zum ersten Mal seit vielen Jahren konnte man sich als Fortuna-Fan wieder vorstellen, dass es aufwärts gehen könnte.
Mein Stichtag für die Trendwende war der 18. November 2005. Vor dem damaligen 3:1 gegen den FC Carl Zeiss Jena ging ich zum ersten Mal in meinem ganzen Leben ins Stadion mit der tiefen inneren Gewissheit, dass Fortuna heute gewinnt. Die Mannschaft hatte im Jahr zuvor den Kopf aus der Schlinge des Abstiegskampfes gezogen und war vor diesem Spiel viermal in Folge als Sieger vom Platz gegangen. Und tatsächlich – das innere Gefühl täuschte nicht. Das soll nicht heißen, dass es in der Regionalliga nicht genügend Rückschläge gab, die einen daran zweifeln ließen, ob man nicht doch lieber ein anderes Hobby suchen sollte.
Späte Ausgleichstore wie das durch Rachid Tiberkanine von Bayer 04 Leverkusen II (einer von vielen Spielernamen, die kein Bundesligafan kennt, die meinem Verein aber regelmäßig sehr weh getan haben), wonach ich noch etwa 30 Minuten nach Abpfiff von der leeren Südtribüne (die damals eh meist nur drittelgefüllt war) konsterniert aufs Spielfeld blickte, ungläubig über die Möglichkeiten der Ungerechtigkeit im Fußball. Auswärtsniederlagen in Lübeck oder Sandhausen, Klatschen in Osnabrück oder die schmerzhaften Erfahrungen auf Platz 11, der Heimspielstätte von Werder Bremen II. Bilanz dort: 5 0:2-Niederlagen, 1 1:2-Niederlage. 1 1:1-Unentschieden – 7 Spiele, 1 Punkt, 2:13 Tore. Hier sei nochmal kurz der Blick geschärft. Die Erste Mannschaft von Fortuna Düsseldorf, einem Verein mit über 20 Jahren in der 1. Bundesliga, hat gegen eine Zweite Mannschaft eines anderen Vereins bei sieben Versuchen auswärts nicht einmal gewonnen. Einen einzigen Punkt geholt. Diese Erlebnisse bekommt man in keinem Sado-Maso-Keller billiger.
Aber es war schön, auch beim nächsten Mal voller optimistischem Fatalismus nach Emden, Kiel oder Wilhelmshaven zu gurken. Immer in der Hoffnung, dass man es sich mit vielen schlechten Spielen verdient habe, den einen ganz großen Sieg auch zu sehen. Zwar immer in dem Wissen, dass es langsam und stetig bergauf geht. Aber nie so ganz mit dem Wissen, ob die Rückkehr auf die große Bühne nochmal gelingt. Denn die finanziellen Altlasten konnten nur sehr langsam abgebaut werden und waren auch immer wieder ein Grund, mit schlotternden Knien die Lizenzvergabe abzuwarten. Nicht, weil Fortuna weiterhin über den eigenen Verhältnissen lebte (außer, dass man in gewissen Zeiten in einer viel zu gigantomanischen Arena spielte), sondern weil einfach nicht viel Masse da war, die für eine schlagkräftige Truppe gereicht hätte. Trotzdem gelang es dem Verein immer wieder, sich nach vorne zu entwickeln. Und der ganz große Sieg rückte näher.
2008 gab es das erste Aufstiegsendspiel. Fortuna musste in Erfurt gewinnen, und gleichzeitig durfte Rot-Weiß Oberhausen in Berlin keinen Dreier einsammeln. 8.000 Düsseldorfer führen/flogen/schwammen nach Erfurt - 8.000, das war damals (und ist auch noch heute) eine ziemlich unvorstellbare Zahl. Und dann gewinnt Fortuna 4:0 und trotzdem steigen diese Oberhausener auf. Das hat für richtig Demut gesorgt. Fortuna war halt noch nicht dran. Die Fans konnten warten, denn sie wussten: es geht noch viel schlimmer. Es gibt nämlich ziemlich viel Rumpelfußball unterhalb des Aufstiegkampfes der dritten Liga.
Dann der 23. Mai 2009. Knappe fünf Wochen zuvor hatte sich noch eine Fan-Initiative vor dem Spiel gegen Union Berlin in der Stadt flyerverteilend die Hacken wundgestanden, um mehr als 25.000 Fans zum Heimspiel gegen den Hauptstadtklub zu bekommen. Wenn es gut lief, kamen damals vielleicht 18.000 Leute. Noch immer die mitleidigenden Blicke, noch immer das Kopfschütteln des Unverständnisses – zum letzten Mal! Denn am 23. Mai zum Heimspiel gegen Werder Bremen II (ja, welch Pointe), kamen plötzlich über 50.000 Menschen und seitdem waren nur noch sehr selten weniger als 20.000 Leute da.
Teil 4: Die Demut der Rückkehrer
Fortuna gelang der Aufstieg, die Rückkehr in den Profifußball – selbst die Medien, die Fortuna jahrelang höchst erfolgreich ignoriert hatten, namen davon Notiz. Tolle Sachen wurden fabuliert, von dem immer noch schlafenden Riesen, der bald wieder zurückkehrt auf die ganz ganz große Bühne. Für die langjährigen treuen Fans galten aber gar nicht nur die ganz großen Zusammenhänge. Es sind die großen Kleinigkeiten, die solch einen Aufstieg so endorphinisch machen. Wer in die Zweite Bundesliga aufsteigt, spielt mindestens zwei Jahre lang im DFB-Pokal. Wer in den letzten zehn Jahren nur zwei mal daran teilnehmen durfte, freut sich schneekönighaft über solche Aussichten.
Plötzlich standen wieder Paarungen gegen den MSV Duisburg, den 1.FC Kaiserslautern oder Alemannia Aachen auf dem Speiseplan. Vereine, mit deren Zweitvertretungen man sich kürzlich noch mehr oder auch oft minder erfolgreich herumgeschlagen hatte. Das war der Wahnsinn, das sorgte für Gänsehaut. Der Verein, den man so lange nur selbst ernst genommen hatte, wurde endlich auch wieder von anderen ernst genommen – ja, musste ernst genommen werden. Und auch hier schritt langsam eine Entwicklung voran. Erst war Fortuna der Underdog, doch rasch war man plötzlich Favorit in Spielen gegen Bochum, Cottbus oder Aachen, Klubs, die jahrelang in einer anderen Galaxie kickten. Unfassbar! Das sind Gefühle, die nur verstehen kann, wer ganz ganz unten war. Für Fans des 1.FC Köln sind Spiele gegen den FC Ingolstadt Majestätsbeleidigung. Für Fans von Fortuna Düsseldorf war das lange Zeit das maximal Vorstellbare.
Natürlich sind auch die Fans über die Zeit gewachsen. Der Zuschauerschnitt hat vereinshistorische Rekordhöhen erreicht. Es schockt nicht mehr ganz so, wenn nächste Saison die Bayern oder die Gladbacher nach Düsseldorf kommen. Doch ein wenig hat der Verein und vor allem seine Kernfans diese neu gewachsene Identität bewahrt, die aus den Dritt- und Viertligazeiten kommt. Die demütige, aber sehr sehr stolze Herangehensweise an jede tolle Aufgabe – immer mit dem Wissen im Hinterkopf, dass es auch ganz schnell wieder den tiefen Sturz geben kann.
Es ist ein besonderes Gefühl, Fan eines Vereins zu sein, der diese Talfahrt überstanden hat. Es verleiht Gelassenheit, hilft, leichte Rückschläge in Relation zu setzen zu einem möglichen Totalabsturz. Was heut nicht klappt, klappt dann halt morgen. Eine Auswärtsniederlage? Haben wir so viele gesehen, da kommt es auf die eine weitere auch nicht an. Uns wurmen Niederlagen zwar genauso wie alle anderen Fans und wir wollen am liebsten auch jedes Spiel gewinnen. Aber wenn nicht? Gibt schlimmeres. Wir feiern lieber unsere Spieler (statt an ihnen rumzunörgeln) auch nach zwei Fehlpässen noch als Helden, weil wir deutlich schlechtere Spieler gesehen haben, die uns Wochenende für Wochenende mit Leidenschaft aber fußballerischer Begrenztheit gequält haben. Das ehemalige Anspruchsdenken des Landeshauptstadtklubs hat sich gehörig verändert.
Teil 5: Oberligafans treffen auf Bundesligaklientel
Diese Entwicklung der vergangenen zehn bis fünfzehn Jahre konfrontiert nun jedoch die Düsseldorfer Fanszene auch mit ganz neuen Problemen. Die alten Fans, die über die Jahre einen vermeintlichen Alleinherrschungsanspruch bei Fortuna erworben haben, weil sie immer da waren – treffen auf die neuen Fans, die der Erfolg wieder in die Esprit-Arena gespült hat. Nicht alle neueren Fans sind klassische Eventies – also am Spektakel interessierte Erfolgsfans, die bei Misserfolg wieder nach Dortmund, Gladbach oder in die Oper gehen. Es gibt auch darunter Fans, die diese neue Identität des Vereins teilen wollen und dies bisher nur nicht getan haben, weil sie zu jung waren oder diese noch nicht für sich entdeckt hatten. Letztere Gruppe stellt weniger ein Problem dar als erstere. Denn die Interessen der klassischen Eventies stehen diametral zu denen der Alteingesessenen.
In Sachen Fankultur und Fußballrezeption sind das zwei ganz eigene Welten. Dem einen geht es um die hohe Identifikation mit dem Verein, um eine tiefe Liebe, nicht um Geld, Erfolg oder Sicherheit im Stadion – wobei er sich über Erfolg natürlich trotzdem freut, Erfolg ist nur keine Determinante, von der er seinen Stadionbesuch oder seine Vereinsmitgliedschaft abhängig macht. Der klassische Eventie hingegen kommt nicht über die Liebe an sich zum Verein, sondern sucht nach Möglichkeiten, seine Neigung zu endorphinischen Erlebnissen auszukosten. Es könnte genauso gut jeder andere Verein sein, so lang sich der Aufwand in Grenzen hält (Anfahrt, Preise) und der Ertrag hoch ist (qualitativ hochwertige Spiele, volle Stadien, gute Atmosphäre). Diese beiden Gruppen – die in den Medien gerne als Ultras und Haupttribünenpublikum verallgemeinert werden – unter einen Hut zu bekommen, ist eine große Kunst – sowohl für die Fangruppen selbst als auch für die Vereinspolitik.
Eine Annäherung an die einen bedeutet immer auch einen Affront gegen die anderen. Die einen fordern teure Neuzugänge. Die alten reagieren darauf allergisch, denn sie haben die jahrelangen Entbehrungen miterlebt, die auf den leichtsinnigen Umgang mit Geld folgten. Der Verein sucht hier den Mittelweg, mit Tendenz zur finanziellen Vorsichtigkeit. Doch es geht nicht nur um konkret sportliche Belange: wenn es auf der Saisoneröffnung Hüpfburgen und Pop-Music-Acts gibt statt Anti-Rassismus-Stand und lokaler Rockmusik, dann kommt die alte Düsseldorfer Klientel nicht. Wenn sich aber die Vereinsführung zu klar für Pyrotechnik ausspricht und die Preise für Familien zugunsten der Schüler und Studenten auf den Stehrängen drastisch erhöht, dann kann dies zu ernsten Verstimmungen beim neueren Publikum führen. Und klar ist, der Erfolg des Vereins, sprich die langfristige Etablierung in der 1. Bundesliga hängt sowohl finanziell als auch kulturell von beiden Gruppen ab.
Beide Gruppen unterscheidet bloß eins. Die erste Gruppe würde auch wiederkommen, wenn es wieder bergab in Liga vier gehen würde und mit gleicher (oder ähnlicher) Leidenschaft zu Werke gehen. Die andere Gruppe würde dafür nur Mitleid übrig haben und solange über die Fortuna meckern, bis diese wieder adäquates Erlebnis bietet. Der ewige Zwist zwischen denen, die dem Verein ihr Leben widmen und denen, die das nicht verstehen können, wird auch auf ewig nicht zu kitten sein. Die Lebenswidmer können nur versuchen, den anderen zu erklären, warum sie dies tun und sie womöglich ins eigene Boot ziehen. Es ist ihre Chance und Pflicht, den neuen Fans zu erzählen, wo Fortuna herkommt.
Der einzige Vorteil der Immerda-Fans: ihre Erlebnisse, ihre Emporkömmlingsgefühle und ihre Leidenschaft kann ihnen niemand mehr nehmen. Man wünscht so etwas keinem Fan. Aber manch einer Fanszene würde es auch mal ganz gut tun, das eigene Anspruchsdenken in der vierten Liga einem Realitätscheck zu unterziehen und ein Gefühl für die Besonderheit, ja das Privileg, zu bekommen, dauernd auf der großen Bühne des nationalen Fußball unterwegs zu sein.




Grandioser Text!! Vielen Dank dafür!!
Sehr guter Text Gelber!
Für mich war die Woche vor dem Heimspiel gegen Alemannia Aachen II, in der bei Niederlage es in den Abstiegskampf gegen die FÜNFTE Liga gegangen wäre, der emotionale Tiefpunkt! Warum ? Es war die Saison 2002/2003, unmittelbar vor der Winterpause. Die beiden Auswärtsspiele davor haben wir 0:9-Tore gegen Wuppertal und MSV Duisburg II produziert, und auch wenn bei Meiderich ein halber Bundesligakader auf dem Platz stand und auch wenn der WSV damals Erster war, fand ich es extrem bitter. Bezugspunkt ist eben neben der tiefsten sportlichen Position auch noch der Umstand, davor, also das letzte Mal Oberliga, damals allerdings DRITTHÖCHSTE Spielklasse, spielten wir gegen Aachens Erste und nun mussten wir gegen Alemannia Aachen ZWEI als F 95 darum kämpfen, nicht in den Abstiegsstrudel aus der VIERTEN Liga zu rutschen. Das war für mich der Tiefpunkt!
Endlich mal ein Text, der nichts als die Wahrheit erzählt. Danke…..
PS. Der Streuselkuchen war übrigens sehr lecker
kann ich nur bestätigen :)
Verstehe diesen Satz nicht:
“Wenn sich aber die Vereinsführung zu klar für Pyrotechnik ausspricht und die Preise für Familien zugunsten der Schüler und Studenten auf den Stehrängen drastisch erhöht, dann kann dies zu ernsten Verstimmungen beim neueren Publikum führen.”
Familien = Eventies?
Pyro = echte Fans?
Ich gehe seid 35 Jahren zur Fortuna (auch in den letzten 15 Jahren war ich regelmässig dabei), aber ich bin IMMER gegen Pyro gewesen und seid etwa 10 Jahren gehe ich mit meiner Familie auch mal gerne in den Familienblock.
Das ist mir zu pauschal, bitte anpassen!!
Sehr guter Text, danke. Eigentlich sollten wir ein Buch herausbringen – jeder schreibt über seine Zeit als Fortuna Fan. Denn “deine” Wahrheiten/Erlebnisse sind vermutlich mit denen vieler anderer deckungsgleich, und trotzdem gibt es Tausende Sichtweisen. In jeden Fall aber ist es vermutlich für viele kaum nachvollziehbar, wie emotional auslaugend es sein kann, F95 Fan zu sein. Ich bin bspw immer noch so “erschöpft” von diesem Aufstiegsterrornachspiel, dass mir die EM total “wumpe” ist, wie die Berliner sagen. In diesem Sinne, schönes Spiel!
Also ich bin kein Erfolgsfan (des 1. FCK), ich würde mit meinem Verein auch in die vierte Liga gehen und noch weiter runter. Aber natürlich meckere ich, wenn er schlecht spielt (was ich allerdings mehr im Wollen als im Können festmache).
Deshalb denke ich dass der Satz mit dem Meckern der Eventies etwas falsch interpretiert werden kann.
Ansonsten wünsche ich der Fortuna (wie fast jedem Verein) dass sie lange erfolgreich spielen kann und sie die kommenden Spiele gegen den FCK verliert.
Tolle Story – dieses kann euch auch keiner mehr nehmen.
Schön das die Fortuna wieder da ist, ich freue mich richtig darüber.
Nach so langer Zeit endlich wieder Düsseldorf in Liga 1 – die, die dort hingehören. Dort, wo Hoffenheim und Wolfsburg rumkrebsen!!
Königsblaue Grüße, hoffentlich ist unser erstes Spiel nicht bei euch!!!
Als alter Schalker, der auch die 2.Liga mitgemacht, kann ich mir vorstellen, wie das alles war, in den Niederrungen des Fußballs. Und genau deshalb habe ich mich gefreut, dass Ihr wieder da seit.
Meinen zehnjährigen Sohn habe ich die Eintrittskarte vom letzten Spiel F95 gegen S04 im Rheinstadion gezeigt und habe ihn Geschichten erzählt.
Bald ist er mit im Stadion, eine ganz andere Epoche jetzt
Alles Gute dem Meister von 1933
GlückAuf
.. die Legende lebt und wir in Karlsruhe… nee die “Alten Kameraden” in Karlsruhe zollen jedem der die Niederungen mitmacht jeden Respekt… getreu unserem Motto für die neue Runde “Liebe kennt keine Liga”.
Ich selbst als Mitspieler bei manch vergangener Unruhe gegen F95… wünsche der Fortuna alles Gute und den Erfolg und dass der Verein seine verdienten Fans nicht vergisst.
Ein Gutes hat es ja… wir spielen aufm Bieberer Berg, stürmen das Böllenfalltor und den Ludwigspark… für uns legendäre Matches…. irgendwo hat das mehr von Fußball wie die Spiele inner VW-Arena, bei Ho$$ oder Audi… nur gegen den VfBII das ist wie ein Korkenzieher im Herz
Alles Gute all euch ewig Treuen
KSC Fan Club Phönix… gegründet 1978