Davis Cup-Vorschau: Aber wieso denn nicht auf Rasen, Herr Teamchef?

Morgens Deutscher, Abend Amerikaner: Tommy Haas. Quelle: Flickr-User Not enough megapixels

Was gibt es Schöneres, als vor einer Davis Cup-Partie erst einmal auf die Wahl des Bodenbelags der deutschen Mannschaft zu schimpfen? Hat ja schließlich letzte Woche bei den Damen schon großen Spaß gemacht. Auf den ersten Blick scheint die Entscheidung für einen Sandboden unklug zu sein, zumal der deutsche Gegner in der ersten Runde Argentinien heißt und deren Nachschublinien für die rote Asche nahezu unerschöpflich sind. Aber durch diese Wahl konnte man zumindest den argentinischen Spitzenspieler Juan Martin del Potro fernhalten. In der Begründung seines Trainers Franco Davin heißt es: “Wir machen uns Sorgen um die körperlichen Belastungen für del Potro, wenn er jetzt einen weiteren Belagwechsel einschiebt.” Denn als nächstes steht der erste Teil der amerikanischen Hartplatzsaison an. Vielleicht ist del Potro aber auch einfach zuversichtlich, dass es auch ohne seine Hilfe klappen wird (so wie auch Novak Djokovic oder Rafael Nadal für Serbien und Spanien).

Der Sportsaal würde Patrick Kühnen trotzdem gerne etwas fragen: “Wieso denn nicht auf Rasen?” Petzschner, Mayer, Haas, Kohlschreiber – sie alle spielen doch gerne auf dem grünen Untergrund. Bei Argentinien fallen mir da außer del Potro und Nalbandian nur wenige ein. Kann bitte einer der anwesenden Pressemenschen mal diese Frage an Herrn Kühnen richten? Richtig, in diesem Fall wäre Juan Martin del Potro wahrscheinlich vorbeigekommen, aber selbst ohne in die Tiefen der Mathematik herabsteigen zu wollen: schlechter wären die Chancen sicherlich nicht gewesen für das deutsche Team.

So gehen die Argentinier selbst ohne del Potro als klarer Favorit in diese Partie mit Siegchancen von etwa 70 Prozent. Wohl auch, weil Philipp Kohlschreiber kurzfristig ausfällt. Ausgerechnet jetzt, wo der Augsburger langsam wieder zu guter Form fand, hat ihn ein Magen-Darm-Infekt niedergestreckt. “He is a sick as dog”, twitterte Tommy Haas im Vorfeld. Genau, Tommy Haas ist auch mal wieder dabei. Zum ersten Mal seit 2007 spielt der Wahl-Amerikanerund Immernoch-Deutsche wieder für eine deutsche Auswahl.

Erstaunlich, wurde er doch eine Zeit lang sogar als Amerikaner geführt bei der ATP.  Bei den US Open 2011 wäre er fast als Amerikaner an den Start gegangen. Zu Jahresbeginn 2012 war es dann zum ersten Mal soweit bei der World Tennis Challenge in Adelaide. Inzwischen ist in seinem ATP-Profil aber wieder eine deutsche Flagge zu sehen. Ob er die alten Herren bei der ATP öfter mal anruft, je nachdem, wie er sich gerade fühlt?  Haas kommt aber nur im Doppel am Samstag zum Einsatz. Das ist vernünftig, denn ob sein Körper ein langes Einzelspiel auf Sand überhaupt noch mitmacht, darf angezweifelt werden (wobei das Spiel dann wohl gar nicht allzu lange dauern dürfte). Trotzdem schließt Teamchef Patrick Kühnen einen Einsatz in einem der abschließenden Einzel am Sonntag nicht aus. Erst einmal wollen aber Philipp Petzschner und Florian Mayer für eine gute Ausgangsposition sorgen. Tommy Haas sagt selbst: “Ich bin eine Art Wildcard“.

 

Der erste Tag:

1. Spiel: Philipp Petzschner vs. Juan Monaco (ab 14 Uhr/live auf ****.de)

Der Sportsaal verlinkt nicht auf das größte aller deutschen Schundblätter, aber damit dürfte ja immerhin klar sein, wo man sich die Partie anschauen kann, denn im Fernsehen sind die Spiele leider nicht zu sehen. Philipp Petzschner geht in diese Partie als krasser Außenseiter, und es dürfte sehr schwer werden für den Bayreuther, denn Sand ist nicht sein stärkster Belag. Dafür aber wird in der Halle gespielt, was Petzschner entgegenkommen dürfte. Doch das wird aller Voraussicht nach nicht reichen. Die einzige Hoffnung ist ein guter Start und der Heimvorteil, der ihn tragen könnte. Der Deutsche ist ein “Hot-and-Cold”-Player, der ab und an auch mal über sich hinauswächst. Normalerweise aber kann es nicht reichen für den Deutschen, denn Monaco ist ein routinierter Sandplatzspieler und auf dem Weg zurück in die TOP 20. Erst in der vergangenen Woche gewann er das ATP-Turnier in Vina del Mar – auf Sand.

Sportsaal-Tipp: Juan Monaco in drei Sätzen.

 

2. Spiel: Florian Mayer vs. David Nalbandian (im Anschluss)

Oh, wie schön! Wenn beide ihr bestes Tennis abrufen, dann wird dieses Spiel nicht auf einem Sandplatz ausgetragen, sondern auf einer Augenweide. Die spielerischen Möglichkeiten der beiden sind riesengroß. Mayer von Stop bis Lob, Nalbandian von rechts nach links, Mayer mit Slice und Topspin, der Argentinier mit schönen Winkeln und tollen Passierschlägen. Dieses Duell ist ein Traum für jeden Tennisfan, das einzige Problem könnte mit zunehmender Spieldauer die körperliche Fitness der beiden werden. Mayer hatte zu Jahresbeginn große Verletzungssorgen, musste mit Knieproblemen in Brisbane aufgeben und sagte anschließend die Teilnahme an den Australian Open wegen einer Hüftverletzung ab. Bei Nalbandian gibt es wohl kaum noch ein Körperteil, das noch nicht verletzt war. Dass irgendwas auf dem anspruchsvollen Sandbelag wieder Probleme macht, ist nicht unwahrscheinlich.

Sportsaal-Tipp: Florian Mayer in fünf Sätzen

Share via email
Leave a Comment