10 Jahre Magath – eine Transferbilanz

107 Spieler kauften die Vereine von Felix Magath seit Sommer 2001 – mindestens 90 Transfers davon gehen auf das alleinige Konto des Trainer-Managers Magath. Er und seine Transferpolitik polarisieren, seit er für beide Bereiche verantwortlich ist, explodiert die Zahl der Transfers förmlich. Dem Alleinherrscher des VfL Wolfsburg wird wildestes Transfergebahren vorgeworfen. Grund genug, einmal eine Bilanz der vergangenen 10 Jahre zu ziehen und die Entwicklung des Felix M. als Trainer-Manager genauer zu beleuchten. Dabei geht der Sportsaal jeden Spieler einzeln durch und teilt sie in fünf Kategorien ein.

Das Ergebnis:

Von den 107 gekauften Spielern wurden 97 bewertet. 24 Spieler wurden als Volltreffer gewertet, das sind immerhin 24,7 Prozent. Weitere 17 Spieler (17,5%) sind als gut zu bewerten – so haben immerhin 42 Prozent der Neuzugänge bei Magath einen bleibenden Eindruck hinterlassen oder waren zumindest sinnvolle Einkäufe, die sich unter Umständen nur wegen widriger Umstände (bspw. Verletzungen) nicht durchsetzen konnten. Demgegenüber stehen 29 Transferflops (30,0%) und 15 Spieler (15,5%), die die Erwartungen eher nicht erfüllt haben. Um wirklich beurteilen zu können, ob Magath im Ligavergleich hier eine gute Quote erzielt hat, müsste man diesen Aufwand auch für alle anderen Manager/Klubs betreiben – das ist aber nur schwer möglich, weil außer Klaus Allofs und dem Duo Nerlinger/Hoeneß niemand so lange konstant arbeiten durfte.

Wie also ist Magaths werken zu werten? Wie bereits beschrieben, hat er in seiner Zeit als Trainer-Manager in Stuttgart, Schalke und Wolfsburg deutlich kräftiger eingekauft als ohne Vorgesetzten (Beginn in Stuttgart, München). Dabei scheint einiges nach dem Prinzip Trial and Error verlaufen zu sein. Von 2007-2009 hatte er in Wolfsburg wahnsinniges Trefferglück mit 11 Volltreffern und nur 8 Nieten, von denen einige auch noch Nachwuchsspieler waren, von denen man sich ohnehin nicht viel erhoffte. 11 Volltreffer bilden schon eine ganze Mannschaft – nämlich genau jene, die 2009 den Titel nach Golfsburg holte.

Bei dem Finanzvolumen, das Magath bei Bayern, Wolfsburg und Schalke zur Verfügung hatte, muten die 42,2 Prozent positive Trefferquote etwas schwach an – vor allem wenn man bedenkt, dass dem 45,5 Prozent negative Trefferquote gegenüber stehen und Magath für die 29 Flops insgesamt 61,6 Millionen Euro ausgegeben hat (darunter auch Jurado oder Podolski, bei denen man sich über die negativste Bewertung streiten kann – ich sehe sie aber als legitim an).

Außer 2007/08 (11) und 2009/10 (6) gab es in keiner Saison mehr als 5 gute Verpflichtungen, demgegenüber stehen jedoch öfter 6-8 ungute Transfers. Die 78 Spieler, die Magath in den vergangenen fünf Jahren kaufte, sind deutlicher Ausdruck der Transferwut, die Magath erwischte, seitdem er wohl respektierter Alleinherrscher ist. Seine neuesten acht Einkäufe, über die wir erst im Sommer den Richterspruch verhängen wollen, werden auch darüber entscheiden, ob nochmal jemand Magath so horrend einkaufen lassen wird wie derzeit VW-Chef Winterkorn.

Als abschließendes Fazit sei gesagt: Magaths Transferaktivitäten sind unterhaltsam, sie sind in vielen Teilen auch erfolgreich, produzieren aber für zu viel Geld zu viele Fehlschläge und dürften zumindest nich zu den Topquoten unter Bundesligamanagern gehören.

 

Saison ++ + 0 - ohne Bew. Spieler insgesamt
2001/02 1 1 0 0 0 0 2
2002/03 1 1 1 0 0 0 3
2003/04 3 2 2 1 4 0 12
2004/05 1 1 0 2 1 0 5
2005/06 1 0 0 1 1 0 3
2006/07 1 1 0 0 1 0 3
2007/08 9 1 2 1 4 0 17
2008/09 2 2 2 2 4 0 12
2009/10 2 4 2 3 4 0 15
2010/11 3 2 2 2 5 2 16
2011/12 0 2 1 3 5 8 19
24 17 12 15 29 10 107

 

Die Einzelkritik:

2011/2012 (VfL Wolfsburg):

Christian Träsch (VfB Stuttgart – 9,000,000): Natürlich ist jeder Transfer aus dem Sommertransferfenster 2011 noch mit Vorsicht zu bewerten, schließlich liegt gerade einmal eine sechsmonatige Eingliederungsphase hinter Spielern und Verein. Bei Christian Träsch muss man allerdings einige Dinge feststellen: auch wenn das Ringen mit dem VfB zäh war, 9 Millionen Euro sind für diesen Spieler einfach ein Mondpreis. Nichts gegen die Fähigkeiten von Träsch, aber das ist ein Witz. Seine bisherigen Leistungen rechtfertigen diese Summe auch nicht mal annähernd – selbst wenn er in Stuttgart langfristig zum Führungsspieler wird, ist dieser Preis zu hoch. Da Träsch den von Magath anvisierten Platz auf der Sechs noch nicht besonders effektiv ausfüllt, wird möglicherweise bald rochiert, vor allem, wenn man die ganzen Neuzugänge betrachtet, die Magath geholt hat. Es wird eine spannende Geschichte, ob Träsch nicht sogar zum Flop wird.

Marco Russ (Eintracht Frankfurt – 3,000,000): Auch ein verwunderlicher Einkauf. Gut, vor allem nach den Abgängen von Ricardo Costa, Arne Friedrich und Andrea Barzagli (und auch Simon Kjaer) brauchte der VfL dringend mindestens zwei gute neue Innenverteidiger. Marco Russ zu holen, dessen Entwicklung bereits seit zwei Jahren eher stagniert, und dafür 3 Millionen Blatt zu legen, das habe ich schon vor sechs Monaten nicht verstanden. Klar, Russ ist durchaus talentiert, ruft das aber viel zu selten ab und genügt auch eigentlich nicht den internationalen Ansprüchen des VfL. In der Hinrunde war Russ eine Fehlerquelle und die drei Millionen bisher nur in den Sand gesetzt.

Mateusz Klich (Cracovia Krakau – 1,500,000): Einen in Deutschland unbekannten geholt wie so oft zuvor, diesmal aber bisher ohne jeglichen Ertrag. 1,5 Millionen für jemanden, der nicht spielt, das kann sich in Deutschland auch nur Wolfsburg leisten. Manager sprechen dann immer gerne vom “Vorgriff auf die Zukunft”, aber wenn man dieser Zukunft dann im Winter acht (oder mehr) Neue vor die Nase setzt, dann hat sich der Vorgriff auch ganz schnell wieder erledigt. Man muss sich wirklich manchmal wundern, wie Magaths Team so scoutet und wie viel dann für Spieler gezahlt wird – weil man es anscheinend in der Portokasse hat.

Hasan Salihamidzic (Juventus Turin – 0): Salihamidzic und Magath, das passte dereinst in Hamburg und in München sehr sehr gut, und passt jetzt auch einigermaßen in Wolfsburg. Allerdings demonstriert der Kauf des inzwischen 35-Jährigen auch ein Problem von Magath. Er setzt gerne auf Erfahrung, aber nicht auf Spieler, die gerade in diesem Moment auf ihrem Zenit sind, sondern schon drüber hinaus oder zuletzt Formschwächen offenbarten. Salihamidzic spielte in Turin in den drei vorhergehenden Jahren 35 Mal, das ist einfach zu wenig. Die mangelnde Matchpraxis merkt man ihm auch heute an – ab und zu setzt er Glanzlichter, ab und an fällt er völlig ab. Es reicht für eine durchschnittliche Bewertung dieses Transfers, weil er günstig war und weil er unter den geholten Senioren noch positiv herausragt.

Patrick Ochs (Eintracht Frankfurt – 3,000,000): Mit Sicherheit hat Patrick Ochs es in Wolfsburg bisher nicht geschafft, sein Potential konstant abzurufen und sicherlich stieß es etwas komisch auf, als Ochs, ein Spieler der über Kampf und Identifikation (mit Frankfurt) kommt, plötzlich im Stimmungskeller in Wolfsburg zu sehen war. Trotzdem ist die Verpflichtung für den Preis in Ordnung, Ochs hat bisher von allen Neuzugängen mit den besten Job gemacht und könnte sich vielleicht auch gegen die Armada der neueren Neuzugänge behaupten. Solider Transfer, denn Ochs auf dem Markt zu entdecken, war auch nicht sonderlich schwierig.

Sotirios Kyrgiakos (FC Liverpool – 0): Zugegeben, auch ich war überrascht, dass sich Kyrgiakos in Liverpool einigermaßen behaupten konnte (16 Spiele 2010/11), was aber vorrangig daran lag, dass Jamie Caragher schwer verletzt war. Warum also einen Mann, dem es auch an Spielpraxis mangelte und der mit 32 auch nicht mehr zum Klub der Benjamine gehört? Ehrlich gesagt, keine Ahnung. Kyrgiakos wirkt bisher entweder gelangweilt oder überfordert, bisweilen etwas übermotiviert und hat in seinen sieben Spielen kaum überzeugen können. Im Wolfsburger Abwehrroulette gehört er zu der Phalanx derer, die wie Marionetten mal rein- und dann wieder rausgeschoben wurden, null Sicherheit, null Souveränität. Kurzes Fazit: Was nix kostet, iss auch nix.

Chris (Eintracht Frankfurt – 0): Chris ist gesundheitlich ein Risikofaktor, da können die Frankfurter ganze Alben zu singen. Deshalb ist der Mut von Magath, ihm eine Chance in Wolfsburg zu geben, nur zu loben. Am Anfang noch verletzt, zeigte er in den letzten Spielen, dass er ganz sicher das Zeug zu einem überdurchschnittlichen Bundesligaspieler hat (das hatte er ja auch in Frankfurt mehrfach angedeutet). Die endgültige Bewertung dieses Einkaufs wird von der Fitness Chris’ über die Rückrunde hinweg abhängen. Bleibt er gesund, könnte er die Säule in der Innenverteidigung werden, die Magath mit Russ, Kyrgiakos und Cale nicht gefunden hat und letztlich in U19-Mann Bjarne Thoelke suchte und teilweise fand.

Rasmus Jönsson (Helsingborg IF – 3,400,000): Acht Bundesligaeinsätze, 321 von möglichen 720 Minuten. Für einen 21-Jährigen in seinem ersten Auslandsjahr gar nicht so schlecht, aber doch nicht für 3,4 Millionen. Manchmal kann man sich bei den Wolfsburger Finanzverhältnissen nur ungläubig vor den Kopf hauen. Der Mann hatte zuvor in vier Spielzeiten für Helsingborg 27 Mal eingenetzt (dazu vier Tore in 13 U21-Länderspielen für Schweden). Das sind keine ganz üblen Quoten – aber es klingt auch nicht danach, als wäre Jönsson von ganz Europa gejagt worden und der VfL hätte mit 3,4 Millionen einen Rohdiamanten geholt. Jönssons Start bei seinen Bundesligaauftritten war jedenfalls holprig. Für das Prädikat “Fehleinkauf” ist es wohl noch etwas zu früh. Einen schlanken Kader produzieren solche Einkäufe aber auch nicht.

Hrvoje Cale (Trabzonspor – 0): Nicht jeder Transfer kann passen und man kann auch mal was ausprobieren. Cale zu holen entpuppte sich aber bislang als Rohrkrepierer. Ein einziger 26-Minuten-Einsatz in der Buli steht in seiner Statistik, dankbarerweise beim 0:3 in Freiburg. Was aber war der Gedanke hinter Cales Verpflichtung? Wolfsburg hat mit Marcel Schäfer ja durchaus einen vorzeigbaren Linksverteidiger. Also ging Magath entweder davon auf, dass Cale Schäfer verdrängen kann (und Schäfer dann wie jetzt nach dem Kauf von Rodriguez vorgesehen auf den linken Offensivflügel rückt) oder aber, Cale war von vornherein als Backup geplant. Das ist okay, macht aber mit Blick auf die Verpflichtung von Rodriguez weniger Sinn. Denn anscheinend hatte Magath durchaus im Sinn, das Cale sich durchsetzt. Jetzt hat er stattdessen nachlegen müssen und einen dritten unzufriedenen Linksverteidiger im Kader. Mal sehen, wie und wann er den wieder loswird.

Aliaksandr Hleb (FC Barcelona – 1,500,000): Gäb es einen Preis für den sinnlosesten Transfer der gesamten Magath-Ära in der Bundesliga, hierfür könnte man ihn sofort verleihen. Einen Spieler, der verletzt ist, für ein halbes Jahr auszuleihen, ist gelinde gesagt, völliger Schwachsinn. Dazu einen über 30-Jährigen, der in den vergangenen Jahren an Gott und die Welt verliehen wurde und nie zu alter Klasse fand, die ihn in Stuttgart und London (Arsenal) zum Klassemann werden ließ. 1,5 Millionen Leihgebühr sind darüber hinaus dermaßen desaströs, dass man es gar nicht kommentieren mag. Vielleicht hatte Magath eine supergünstige Kaufoption vereinbart für den Fall, dass Hleb blitzheilt und dann voll einschlägt. So hat er zusammen mit den Klich-, Jönsson- und Russmillionen schon einen mittleren einstelligen Millionenbetrag einfach verplempert.

Thomas Hitzlsperger (West Ham United – 0): Ich finde, dass Thomas Hitzlsperger ein toller Fußballer ist, lange unterschätzt (auch von mir), als er dann aber beim VfB und auch in der Nationalelf seine volle Klasse abrief, absolut brauchbar. Allerdings hätte man schon vor einem halben Jahr erkennen können, dass Hitzlsperger zuletzt eher Gurkenleistungen vollbrachte. Nur 31 Spiele in drei Jahren für Stuttgart, Lazio Rom und West Ham – einige Verletzungen, keine steigende Formkurve. Hitzlsperger mit diesen Leistungsdaten zu verpflichten, klingt eher romantisch als gut geplant. Seit Sommer 2011 ist er in Wolfsburg auch eher Mitläufer als Taktgeber. Ich bedauere das zutiefst, zumal er ja dieses Jahr gerade mal 30 wird. Es wäre zu wünschen, dass der Bewertungspfeil hier im Sommer 2012 wieder weiter nach oben zeigt.

Felipe Lopes (National Funchal – 2,500,000): Bewertung wird Ende Juni 2012 vorgenommen.

Ricardo Rodriguez (FC Zürich – 7,500,000): Bewertung wird Ende Juni 2012 vorgenommen.

Petr Jiracek (Viktoria Pilsen – 4,500,000): Bewertung wird Ende Juni 2012 vorgenommen.

Slobodan Medojevic (Vojvodina Novi Sad – 2,500,000): Bewertung wird Ende Juni 2012 vorgenommen.

Ferhan Hasani (Skendija Tetovo – 700,000): Bewertung wird Ende Juni 2012 vorgenommen.

Vieirinha (PAOK Saloniki – 4,500,000): Bewertung wird Ende Juni 2012 vorgenommen.

Giovanni Sio (FC Sion – 5,800,000): Bewertung wird Ende Juni 2012 vorgenommen.

Ibrahim Sissoko (Academica Coimbra – 1,500,000): Bewertung wird Ende Juni 2012 vorgenommen.

 

2010/11 FC Schalke 04:

Sergio Escudero (Real Murcia – 2,400,000): Der Transfer von Escudero folgte auf einen Linksverteidigerengpass bei Schalke, der durch die mangelnde Konstanz von Lukas Schmitz und die ständigen Verletzungen von Christian Pander hervorgerufen wurde. Für 2,4 Millionen Euro kann man Escudero aber nur als Transferflop bezeichnen. Gerade mal 7 Bundesligaeinsätze stehen zu Buche, dazu 7 in der Regionalliga West. Da hat sogar Hans Sarpei mehr vorzuweisen. Und besonders vor dem Hintergrund, dass Schmitz auch noch nach Bremen ging, ist das Potential von Escudero wohl eine Magathsche Fehleinschätzung.

Hans Sarpei (Bayer Leverkusen – 400,000): Wo Magath den ausgegraben hat (um seinen Champions League Kader zu verstärken), weiß wohl nur er selbst. Nach der schillernden Karriere Fortuna Köln, MSV Duisburg, VfL Wolfsburg und Bayer Leverkusen (mit 42 Spielen in den drei Jahren vor seinem Wechsel zu S04), schien der damals 34-Jährige nicht unbedingt als hoffnungsvolles Talent den Kader zu ergänzen. Naja, immerhin half er, Schalke zu stabilisieren und mit neun Spielen den Übergang zu Christian Fuchs links hinten zu ermöglichen. Für 400,000 Euro keine ganz üble Investition – vor dem Hintergrund eines möglichen Schalker Umbruchs aber mindestens merkwürdig.

Ciprian Deac (CFR Cluj – 3,000,000): 3 Millionen Euro für zwei erbärmlich schwache Bundesligaspiele und 59 Champions League Minuten – das Geld hätte auch Dieter Hoeneß nicht besser verbrennen können. Inzwischen ist Deac auf Schalke schon wieder Geschichte und die Knappen um die Erfahrung reicher, dass ein Spielmacher vom rumänischen Meister kein zukünftiges Kaufkriterium mehr darstellen sollte. Jeder weitere Kommentar überflüssig.

Klaas-Jan Huntelaar (AC Mailand – 14,000,000): Huntelaar ist in jeder Hinsicht ein genialer Coup von Magath. Konnte sich in Madrid und Mailand nicht richtig durchsetzen – dass er aber einen krankhaft guten Torinstinkt hat, fiel durchaus schon bei seinen vorherigen Stationen auf. 14 Millionen waren deshalb auch kein besonders hohes Risiko – Huntelaar hat schon jetzt fast jede Mark davon zurückgezahlt. Mit dem Kauf Huntelaars bewegte sich auch Magath auf einem für ihn neuen Topstar-Level, Bewährungsprobe gemeistert.

José Manuel Jurado (Atletico Madrid – 12,000,000): Jurado ist das genaue Gegenteil von Huntelaar. Maximaler Einsatz (Ablösesumme deutlich zu hoch, selbst im besten Fall), minimaler Ertrag. Schon zu spanischen Zeiten galt er als temporär genialer  Schlendrian, der an guten Tagen das entscheidende Tor vorbereitete, an schwachen (die gab’s oft) jedoch nicht zu sehen war. Jurado hatte zwar eine gute Saison bei Atletico Madrid hinter sich, wirkte dabei aber nicht so dominant wie in der Saison bei Mallorca zuvor. Auch deshalb kam der Transfer eigentlich zu einem komischen Zeitpunkt. Natürlich hat Jurado seit seinem Dienstantritt an 39 Bundesligaspielen für Schalke teilgenommen – brilliert hat er aber höchstens in einer handvoll. Für 12 Millionen ist das ziemlich dürftig. In Madrid, wo sie ja auch nicht für bestkalkulierendes Spielermanagement bekannt sind, lachen sie vermutlich heute noch, wenn sie den Überweisungseingang aus Gelsenkirchen sehen.

Nicolas Plestan (Olympique Lille – 0): Trial and Error, Panikkauf, Niete. Als Schalke zum Ende der Transferperiode die qualitativ hochwertigen Innenverteidiger ausgingen, holte Magath Herrn Plestan aus Lille. Der fand auf Schalke aber nie so richtig statt, zum einen wegen Verletzungen, zum anderen, weil Magath danach noch andere Innenverteidiger holte. Und zum dritten, weil Plestan in seinen drei Bundesligaspielen ziemlich grottig spielte, Plestan war vor allem zu langsam für die Bundesliga. Man wird das Gefühl nicht los, dass Magath hier nach der alten Methode “vier Spieler kaufen, einer wird passen” gehandelt hat. Nagut, ablösefrei, das Risiko wird trotz des nicht niedrigen Gehalts überschaubar gewesen sein.

Raùl (Real Madrid – 0): Was soll man hierzu sagen? Sympathieträger, fußballerisch eine Verstärkung, absoluter Führungsspieler. Abgesehen von den allhalbjährlichen Abwanderungsgedanken und den damit verbundenen Querelen auf Schalke ist dieser Magatsche Transfercoup nur zu loben. Dass er mit dem Superstar Raùl umzugehen wusste, spricht auch für den Trainer-Manager Magath.

Tim Hoogland (FSV Mainz 05 – 0): Ganz schwierige Personalie. Zum Zeitpunkt des Kaufs absolut nachvollziehbar, Hoogland war Ex-Schalker und hatte mit Mainz 2 1/2 wirklich starke Saisons gespielt. Außerdem hatte Schalke auf seiner Position (bspw. rechts hinten) durchaus Bedarf. Allerdings ist Hoogland seit Amtsantritt eigentlich nur verletzt und hat Schalke noch keinen Schritt weiter gebracht. Da Magath da wohl nicht viel für kann, bleibt dieser ablösefreie Transfer positiv zu bewerten.

Christoph Metzelder (Real Madrid – 0): Wie bei Plestan holte Magath den guten alten Metze etwas panisch, allerdings kein schlechter Gedanke, saß der doch in Madrid nur auf der Bank und hatte noch einige gute Jahre vor sich und internationale Erfahrung vorzuweisen. Im Nachhinein muss man sagen, dass Metzelder aber nach vielen Verletzungen nie mehr seine 2006er-Form erreichte – und das war vorher auch abzusehen. Intern möglicherweise wichtig, für den sportlichen Fortschritt und Umbruch aber genauso möglicherweise überflüssig.

Erik Jendrisek (1.FC Kaiserslautern – 0): Wie bei Hoogland eine zu diesem Zeitpunkt sinnvolle Verstärkung, immerhin hatte Jendrisek Lautern zu einem guten Teil in die Bundesliga geschossen – außerdem hinterließ der Abgang von Kuranyi eine Lücke. Dann aber folgten noch Raul und Huntelaar und Jendrisek war auf dem Abstellgleis. Unter Berücksichtigung der späteren Verpflichtungen ein ziemlich sinnloser Transfer. Ergebnis: Jendrisek kam nie zum Zug und ging nach Freiburg.

Atsuto Uchida (Kashima Antlers – 1,300,000): Gut, andere nicht weit entfernte Vereine haben weniger Geld für bessere Japaner angelegt – trotzdem ist der Transfer gut. Nach Rafinhas Abgang galt es die Seite kostengünstig aufzufüllen, das hat Magath geschafft. Dass Uchida nicht langfristig glänzte und inzwischen von Höger/Höwedes größtenteils verdrängt wurde liegt nicht nur an Magath. In jedem Fall deutete der Japaner im Zusammenspiel mit Farfan seine Klasse mehrfach an – gutes Scouting in dem Fall. 1,3 Millionen natürlich trotzdem ein hohes Risiko.

Kyriakos Papadopoulos (Olympiakos Piräus – 2,000,000): Vielleicht der Königstransfer im Preis-Leistungs-Verhältnis. Erstens mit 2 Millionen für einen Stammspieler nicht besonders teuer, zweitens kann man mit Papadopoulos eines Tages vermutlich einen hohen Transfergewinn erzielen. Wie auch immer Magath den entdeckt hat (nagut, Papadopoulos war vorher leicht international bei U21-Spielen den besseren Experten aufgefallen) und egal, ob er auch zur Trial and Error Fraktion gehört. Hier hat er im richtigen Moment zugeschlagen und ein echtes Juwel geholt, dessen Vertrag bis 2015 keinen Tag zu lang ist.

Anthony Annan (Rosenborg Trondheim – 2,500,000): Natürlich hatte Annan eine gute WM 2010 mit Ghana gespielt, aber diese 2,5 Millionen Euro hätte man besser auf die 3 Millionen von Deac drauf gepackt und einen richtigen Mittelfeldspieler geholt. Annan wirkte von Anfang an lustlos, wusste nicht so recht, was er auf Schalke überhaupt soll. Mehr als Durchschnitt konnte er nie zeigen. Ein großes Missverständnis, dass selbst beim üppigen Schalker Kader schmerzt.

Ali Karimi (Azin Steel – 0) und Angelos Charisteas (vereinslos – 0): Mehrfach hat Magath betont, dass beide Spieler nur kamen, um den Kader aufzufüllen und einzuspringen, falls sich jemand verletzt. Das rief allerlei Spötter auf den Plan – so ganz kann man sich von der Spötterei auch nicht frei machen. Karimi und Charisteas wirkten schon vorher abgehalftert und setzten auch bei Schalke kaum Akzente. Der Kicker würde in seiner Neuzugangs-Bewertung vermutlich mit “nicht zu bewerten” urteilen.

Danilo Avelar (Karpaty Lwiw – ausgeliehen): Überschaubares Risiko, kein Ertrag. Auch Avelar blähte den Kader nur auf, als noch nach Verteidigern gefahndet wurde (die ja später in Höwedes und Matip im eigenen Kader und in Papadopoulos gefunden wurden).

 

2009/10 FC Schalke 04:

Peer Kluge (1.FC Nürnberg – 1,500,000): Kluge hatte zuvor einige gute Saisons gespielt und suchte nach dem nächsten Karriereschritt. Für den neutralen Beobachter wirkte der Wechsel nach Gelsenkirchen trotzdem wie ein schlechter Scherz – immerhin wollte S04 ins internationale Geschäft. Wäre Kluge nicht zwischendurch verletzt gewesen, hätte er die Schalker Saison dennoch nachhaltig prägen können. Ein guter Riecher von Magath, die 1,5 Millionen hätte man schlechter anlegen können.

Bogdan Müller (SpVgg Neckarelz – 150,000): Einen Spieler aus der sechsten Liga für 150,000 Euro holt auch nur ein Felix Magath. Für eine Verpflichtung für die zweite Mannschaft wäre der Preis übertrieben, für die erste Mannschaft eigentlich Quatsch. Müller, der damals vielleicht im Pokalspiel seines Clubs gegen die Bayern auffiel, ist jetzt dort, wo er vielleicht auch damals schon hingehört hätte – beim Karlsruher SC, einem unterdurchschnittlichen Zweitligaklub. Was Magath mit dem Einkauf genau wollte, erschließt sich nicht, Müller gehörte zu einer ganzen Horde von in der Winterpause innerhalb von wenigen Tagen transferierten Neu-Schalkern (ohne bekannten Namen). Wenn er durchgestartet wäre, hätte sich Magath aber wenigstens für seinen guten Riecher feiern lassen können. Ein 150,000 Euro teurer Versuch.

Junmin Hao (Tianjin Teda – 0): Kostete wenig, spielte durchschnittlich, kein schlechter Transfer. Wenn wir jetzt mal unbeachtet lassen, dass all solche Spieler wie Hao die Mannschaft nicht sonderlich verstärken und dafür sorgen, dass bei Magath 38 Spieler auf dem Trainingsplatz dem Nebenmann auf die Füße treten – dann hat Hao als Nachwuchsspieler sicher einen guten 12.-14. Mann abgegeben – ein Bench Player, der bei seinen Auftritten aber immer solide rüberkam. Für eine bessere Bewertung hätte Hao langfristiger einschlagen müssen – so bleibt er ein Magath-Spieler, den der Trainer-Manager möglicherweise in fünf, sechs Jahren wieder aus irgendeinem Hut zaubert.

Jan Moravek (Bohemians Prag – 2,500,000): Die Bewertung verwundert vielleicht einige – aber immerhin hat Moravek in Kaiserslautern 2010/11 seine Bundesligatauglichkeit zu Genüge unter Beweis gestellt und dafür gesorgt, dass der FCK in der Liga blieb. Moraveks Pech war vermutlich, dass Magath in dieser Saison die Matips, Schmitz’ und Moritz’ ausgrub und als diese begeisterten selbst so begeistert war (auch vom medialen Lob), dass Moravek nicht mehr vorbei kam. Insgesamt muss man Moraveks Schalker Zeit (auch 2011/12 – jetzt nach Augsburg verliehen) als gescheitert beurteilen, für Schalke waren die 2,5 Millionen deshalb deutlich zu viel – sein Können hat er aber schon demonstriert. Und noch ist seine Schalker Ära ja auch nicht endgültig vorbei.

Lubos Hanzel (Spartak Trnava – 100,000): Man schaut auf den Namen und denkt sich: wer? Eine Einwechslung beim 2:0 in Bremen (in der Nachspielzeit), mehr war nicht. Schon im Dezember ging es zurück in die Heimat. 100,000 Euro für Umme in die Slowakei überwiesen.

Tore Reginiussen (Tromsö IL – 0): Ein junger Perspektivspieler sollte er sein – jung war er auch, nur ohne Perspektive. Kam wie Hanzel nur einmal zum Einsatz, auch in der Zwoten reichte es nur für sechs Spiele. Wurde danach ständig verliehen, kam aber auch anderswo (bspw. Lecce) nicht über den Reservistenstatus hinaus. Inzwischen zu alt, um noch als jung zu gelten und schon weiter transferiert. Immerhin hat Schalke ihn nicht mehr auf der Payroll.

Besart Ibraimi (Renova Dzepciste – 0): Und weiter geht es mit den Kader-Aufblähern, die zwar nichts kosteten, aber auch nichts brachten. Trial and Error (mit klammem Geldbeutel) in Reinkultur – konnte nicht überzeugen, war bald wieder weg – nur zwei Bundesligakurzeinsätze.

Lukas Schmitz (VfL Bochum II – 0): Einer passt bei Trial and Error dann eben doch. Das Näschen, Schmitz zu holen und dann auch noch auf ihn zu setzen, war gut. Vor allem in der ersten Schalker Saison absolut überzeugend. Im zweiten Magath-Jahr dann leider mit Leistungsabfall. Inzwischen in Bremen, aber durchaus halbgestandener Bundesligaprofi. Für den Preis ein absoluter Volltreffer.

Emin Yalin (1.FC Nürnberg II – 0): Kam wie Schmitz aus der Regionalliga, nahm aber genau den anderen Weg auf der Karriereleiter. Während Schmitz durchstartete, war das Überangebot an Mittelfeldspielern für Yalin zu viel. Auch in der Regionalliga West in Schalkes Zweiter fluppte es nicht mehr so wie vorher in Nürnberg, was auch daran gelegen haben könnte, dass Magath solche Spieler gerne zwischen Erster und Zweiter versauern lässt.

Vasilios Pliatsikas (AEK Athen – 400,000): Es ist nicht einfach, diese ganzen Spieler zu bewerten, die Magath ohne große Ablöse holte, die dann aber nicht das hielten, was er sich versprach. Pliatsikas stieg gar nicht mal so schlecht ein bei Schalke, entwickelte aber keine Konstanz und gelang dann schnell an seine Grenzen. Inzwischen hat er den Abstieg nach Duisburg gewählt, wo er bisher auch nur durch extrem dämlich Gelb-Rote Karten aufgefallen ist. Beurteilen wir diesen Transfer mal als “seltsam”.

Edu (Suwon Bluewings – 0): Sind wir mal ehrlich: wer hätte sich 2009 noch an den Ex-Bochumer Edu erinnert und überhaupt gewusst, wo der inzwischen spielte? Neben Magath wohl nur ein erlesener Kreis aus Fußball-Freaks und Südkorea-Scouts. Dass Edu kein Huntelaar ist, war von vorn herein klar – aber er hat geholfen, Schalke in die Champions League zu hieven und selbst da ab und zu überrascht. Man kann diesen Transfer deshalb nur recht positiv bewerten, auch wenn es sicher bessere Stürmer gibt, die damals auf dem Markt waren.

Alexander Baumjohann (FC Bayern München – 1,000,000): Zum Zeitpunkt seines Wechsels zu den Bayern hätte halb Deutschland den Ex-Schalker gerne gehabt. Dass Magath da ein durchwachsenes Jahr später für den akzeptablen Preis zugreift, war völlig in Ordnung. Auch weil seit Lincoln und Özil kein begabter Zehner mehr bei Schalke zu sehen war. Die Entwicklung von Baumjohann vom Leistungsträger bei Gladbach zum Mitläufer bei Schalke hingegen ist traurig (und passt zu seiner ersten Schalker Zeit und seinem Start in Gladbach) – Magath hätte vielleicht ahnen müssen, dass das Baumjohannsche Phlegma in München wieder aufgekommen war.

Mario Gavranovic (Yverdon Sports – 1,600,000): Das klingt jetzt hart, immerhin spielt Gavranovic derzeit auf Leihbasis in Mainz. Aber 1,6 Millionen Euro für einen jungen Mann, der sich in zwei Jahren Bundesliga nicht einmal durchsetzen konnte und immer noch nur als Talent gilt, scheinen doch etwas hoch. Magath muss man zu Gute halten, dass Gavranovic in der Schweiz für Xamax Neuchatel zuvor in 17 Erstligapartien 8 mal eingenetzt hatte. Das ist schon eine sehr gute Quote in diesem Alter.

Christoph Moritz (Alemannia Aachen U19 – 0): Hieran gibt es nichts zu deuteln. Günstig (abgesehen von möglichem Handgeld), voll durchgestartet – einzig eine Verletzung hat ihn bisher aus der Bahn geworfen. Erhöht damit die Quote der gut geholten jungen Leute (Matip, Schmitz, Moravek, Hao) weiter gegenüber den sinnlosen Nachwuchsverpflichtungen (Reginiussen, Ibraimi, Müller etc.) und könnte sich für Schalke weiterhin noch einträglich bemerkbar machen – entweder fußballerisch als auch finanziell. Natürlich ist es ohne Insiderkenntnisse immer schwierig zu beurteilen, woher der Stein des Anstoßes für solche Transfers kam – Magaths Händchen, den Spieler eingebaut zu haben, gebührt ihm aber mindestens.

Lewis Holtby (Alemannia Aachen – 3,750,000): Holtby war natürlich ein guter Kauf, damals bei Aachen einer der überragenden Zweitliga-Protagonisten – in jedem Spiel konnte man sehen, dass Holtby mindestens für die erste Liga talentiert ist. Und seine Entwicklung über Bochum und die Rockband in Mainz bis zum Nationalspieler und Stammspieler auf Schalke gibt dem Transfer mehr als Recht. Magath schien mit Holtby nicht perfekt umgehen zu können, was verhindert, dass der Pfeil direkt nach oben zeigt. Denn Holtbys Umweg über kleinere Bundesligavereine zur Stammkraft unter Rangnick und Stevens spricht zwar für eine gesunde Entwicklung – aber gegen Magaths Einschätzung, Holtby könnte auch unter ihm sofort weiterhelfen.

 

2008/09 (VfL Wolfsburg):

Peter Pekarik (MSK Zilina – 800,000): Als Wolfsburg in der Winterpause eine Entlastung für Riether auf rechts suchte, fiel die Wahl auf Pekarik. Das war in der Meistersaison eine glänzende Entscheidung, immerhin stand der gute Mann in 16 von 17 Rückrundenspielen auf dem Platz. Für 800,000 Euro zur Winterpause schon ein gigantisch guter Transfer. Danach ging es mit ihm leider bergab, für die Champions League reichte seine Qualität dann doch nicht. Dass Riether durch seine Verpflichtung ins Mittelfeld gezogen werden konnte, ist aber immer noch einer der Gründe, warum der VfL eine bombastische Rückrunde spielte.

Yoshito Okubo (Vissel Kobe – 2,000,000): Noch vor dem Japaner-Boom um Shinji Kagawa versuchte es Magath bereits regelmäßig mit schmächtigen Kickern aus dem Land der aufgehenden Sonne. Das ging bei Hasebe gut, bei Okubo war es eher ein Strohfeuer. Im Schatten von Grafite und Dzeko lief das Wölfe-Spiel meistens an Okubo vorbei, er fand einfach nie so richtig seinen Platz in der Aufstellung. Vielleicht wäre dieser Transfer anders zu bewerten, wenn der VfL kein so überragendes Sturmduo gehabt hätte, das überdies meist gesund und fit war. So sind die 2 Mios für Okubo aber auch überbezahlt – da hätte man besser einen Esswein heranführen können.

Zvjezdan Misimovic (1.FC Nürnberg – 4,000,000): Es war damals kein Geheimnis, dass Misimovic nach Anlaufschwierigkeiten doch noch zu einem gehobenen Bundesligakicker reifen könnte. Vor diesem Hintergrund ist es fast beeindruckend, dass der sonst mit Geld um sich schmeißende Magath den Bosnier für nur vier Millionen in die Autostadt lotsen konnte. Was bleibt zu sagen? Misimovic war jeden Pfennig wert, in der Meistersaison überragender Assistgeber und Mastermind. Die 20 Vorlagen beim Titelgewinn sprechen eine deutliche Sprache – Grafite und Dzeko schwärmen sicher heute noch in den höchsten Tönen von ihm.

Cristian Zaccardo (US Palermo – 7,000,000): Und schon wären wir beim genauen Gegenteil von Misimovic. Zaccardo war langsam (körperlich und gedanklich), identifizierte sich nie richtig mit dem VfL (das ist zugegebenermaßen sicherlich auch schwierig) und konnte nicht halten, was die 7 Millionen Euro Ablösesumme und das Brandzeichen “Weltmeister 2006″ versprachen. Dass er mit Palermo gerade die Serie A aufgemischt hatte (auch mit Barzagli – siehe unten), schützt nicht davor, dass sich Magath wohl besser eine zweite und dritte Meinung eingeholt hätte, bevor er eine solche Summe für ihn legt. Zaccardo und Wolfsburg – das war nix.

Andrea Barzagli (US Palermo – 14,000,000): Wie auch bei anderen Transfers (wie bspw. Jurado) hatte man bei seiner Verpflichtung das Gefühl, dass die eigentlich schon ein oder zwei Jahre zu spät kommt, der entscheidende Entwicklungsschritt schon gegangen ist und kein großer Sprung mehr folgen wird. Barzagli spielte in Wolfsburg beileibe nicht schlecht, aber besonders stark war er auch nur selten. 14 Millionen sind eher etwas überzogen, aber gut, auch damit erkaufte man sich den Titel. Deshalb muss man sagen: für die Summe konnte Barzagli keine Ära beim VfL prägen, für eine kurzzeitige Hausse reichte die Investition dennoch.

Alexander Esswein (1.FC Kaiserslautern – 100,000): Dass Esswein das Zeug für die Bundesliga hat, wurde schon damals von vielen Experten beschworen und hat sich spätestens jetzt in Nürnberg herausgestellt. Deswegen ist der Vorwurf hier nicht genereller Natur, Esswein geholt zu haben – sondern ihn nicht richtig gefördert zu haben und möglicherweise auch zur falschen Zeit gekauft zu haben, denn mit Dzeko, Grafite und den beiden deutlich teureren Okubo und Caiuby war der Platz im VfL-Angriff damals einfach begrenzt, weshalb Esswein trotz Lobes eher in der Zweiten landete.

Rodrigo Alvim (Belenenses Lissabon – 0): Alvim hatte zwei wirklich ordentliche Spielzeiten bei Belenenses hinter sich und da Magath wie immer Madlung nicht vertraute, setzte er auch auf die Dienste des Portugiesen. Man muss bekennen: da hat er aufs falsche Pferd gesetzt. Alvim gelang es nie, sich durchzusetzen, magere zwei Bundesligaspiele stehen auf dem Konto, mit insgesamt nur 22 Spielminuten. Hier hat sich Wolfsburg eher als Karrierecrasher entpuppt als ein Zünder zu sein – nicht der einzige solche Fall im Werk des Felix M. Heute spielt Alvim in Brasilien, beziehungsweise spielt er nicht besonders viel.

Daniel Adlung (SpVgg Greuther Fürth – 0): Siehe Alvim. Der Transfer war keine schlechte Idee nach zwei guten Saisons in Fürth, die der sehr junge Adlung überraschend konstant absolvierte. Kam dann im Riesenkader des VfL aber nicht an den vielen arrivierten vorbei und teilte das Schicksal mit dem Portugiesen oder auch Esswein – landete in der zweiten Mannschaft und schließlich auch wieder in der Zweiten Liga. Durchschnittlicher Zweitligaprofi scheint für ihn auch die geeignetere Berufsbezeichnung, was aber nicht heißen soll, dass der Transfer damals völlig unsinnig war.

Christian Gentner (VfB Stuttgart – 2,500,000): Absolut logische Weiterverpflichtung der Stuttgarter Leihgabe, auch für diesen Preis sehr lohnend. Die restliche Gentner-Bilanz steht in der Saison 2007/08.

Caiuby (Guaratingusta – 2,500,000): 2,5 Millionen wirken im Nachhinein völlig überzogen, wobei Caiuby in den vergangenen fünf Jahren ja nicht der einzige teure, südamerikanische Fehleinkauf in der Bundesliga war (siehe Sosa, dos Santos, Carlos Alberto, Thiago Neves oder Insua). Vor allem suchte man damals ja eher einen dritten Angreifer hinter Grafite und Dzeko – vor diesem Hintergrund wirkt dieser Preis für einen inzwischen über Duisburg in Ingolstadt gelandeten Kicker überzogen und wie das Ergebnis eines generell zu prallen Scheckheftes.

Mahir Saglik (Wuppertaler SV – 150,000): Zugegeben, Saglik hatte in der Regionalliga Nord gefühlte 129 Tore für Wuppertal geschossen, trotzdem war es auch damals völlig sinnfrei ihn nach Wolfsburg zu holen. Im unteren Erstligabereich hätte man es mal mit ihm versuchen können, insgesamt aber eher ein besserer Zweitligastürmer, wie er später ja auch in Paderborn unter Beweis stellte – war aber nicht ganz umsonst Jahre zuvor nicht von Dortmunds Zweiter zu den Profis gelangt, obwohl die damals jeden brauchen konnten, der einigermaßen gut kicken konnte. Eher ein Quatsch-Transfer.

Marwin Hitz (FC Winterthur – 0): Dreieinhalb Jahre nach seiner Verpflichtung muss man sagen, dass sich Hitz durchaus gut entwickelt hat und nicht der schlechteste aller zweiten Torhüter in der Liga ist. Freilich konnte er Benaglios Schwächephase nicht nutzen und ist noch nicht fehlerfrei – für einen Schweizer aber grundsätzlich in Ordnung. Dereinst als Perspektivspieler geholt (Lenz war ja damals auch noch da), hätte man zwar auch bessere junge Torhüter finden können, aber auch deutlich schlechtere.

 

2007/08 VfL Wolfsburg:

Diego Benaglio (National Funchal – 1,500,000): Magath kannte Benaglio bereits aus Stuttgart und hatte vermutlich auch verfolgt, wie der Schweizer sich in Portugal als Stammkeeper schlug. Nach viereinhalb Jahren Wolfsburg mit konstant guten Leistungen (mit Ausnahmen im Nach-Meister-Jahr und in der aktuellen Spielzeit) kann man Magath und dem Klub zu diesem Riecher nur gratulieren. Vor allem in der Meistersaison hielt Benaglio überragend, der Preis von 1,5 Millionen Euro wirkt lächerlich im Vergleich zu dem, was Magath für deutlich schlechtere Spieler in seiner Wolfsburger Zeit ausgegeben hat. Well done.

Alexander Laas (Hamburger SV – 1,500,000): Viele werden sich jetzt fragen, wer das überhaupt ist und wo der jetzt spielt. Ich beantworte beides gerne: Laas hatte in der Saison zuvor beim HSV großes Talent angedeutet und war ligaweit relativ begehrt, weil er ein wirklich kreativer Linksfuß war, vielleicht körperlich etwas zu schwach. Die 1,5 Millionen Euro waren meiner Meinung nach damals auch okay, auch wenn die Meriten von Laas noch nicht wahnsinnig hoch waren, er war aber jung und schien extrem entwicklungsfähig. Dafür hätte es ein Pfeil nach oben gegeben. Seine wahre Entwicklung war dann aber grauenvoll. Nur vier Spiele für Wolfsburg, danach zu Bielefeld, Wolfsburg II und inzwischen hat er sich bei Red Bull Leipzig prostituiert, wo er aber in dieser Saison gar nicht mehr spielen durfte. Deshalb zeigt der Pfeil nur zur Seite.

Marcel Schäfer (TSV 1860 München – 1,200,000): Schäfer war über drei Jahre lang ein konstant immer besser werdender Zweitligakicker in München, der Schritt in die Bundesliga nur logisch. Dass Magath ihn für dieses Geld bekam und er unter ihm zum Kapitän, Meister und Nationalspieler reifte, spricht komplett für diesen Transfer. Es gibt hier nichts dran auszusetzen, außer dass Magath Schäfer lieber mit nach Schalke hätte nehmen soll als ihn unter Veh versauern zu lassen. Noch immer ist Schäfer (wieder unter Magath) aber einer der besseren Wölfe.

Daniel Baier (TSV 1860 München – 450,000): Punkt 1: Baier war vor seinem Wechsel absoluter Leistungsträger in der zweiten Liga bei 60 München. Punkt 2: Baier spielt heute Bundesliga in Augsburg und zeigt immer wieder sein Potential. Punkt 3: Sein Potential scheint eigentlich noch höher zu liegen, weshalb auch eine Entwicklung in Wolfsburg realistisch gewesen wäre. Nur entwickelt hat er sich nicht richtig. In der durchschnittlichen Hinrunde 2007/08 noch am Rande des Stammplatzes, ab der Rückrunde, die Wolfsburg damals ja noch in den Uefa-Cup katapultierte nur noch Randfigur. Das finanzielle Risiko war überschaubar, die Perspektive gut, zu mehr hat es aber nicht gereicht.

Makoto Hasebe (Urawa Red Diamonds – 0): Saugünstig, sauguter Allrounder. Ein richtig starker Transfer von Magath, der aus dem Wust von Japanern denjenigen auswählte, der gut ins Spielkonzept passte, der auch auf der Bank unaufgeregt blieb und immer solide seine Leistung abrief. Und immer noch abruft. Während viele Neuzugängen kamen und gingen blieb Hasebe immer nahe an der Stammelf. Zu diesem Transfer gibt es keine Mäkeleien. Hier hat das Japan-Scouting deutlich besser funktioniert als später bei Okubo.

Mame Niang (Moroka Swallows – 200,000): Bei Wer Wird Millionär sicher ein Kandidat für eine richtige Antwort bei der Millionenfrage wie z.B. “Welcher dieser Spieler war schon mal in der Bundesliga unter Vertrag”. Kennt heute keiner, kannte auch damals keiner – 200,000 Flocken waren sicher im Rahmen des Restrisikos, es hätte aber auch überhaupt nicht geschadet, wenn man sie für sich behalten hätte. Hinterher ist manchmal sogar der Magath schlauer.

Daniel Ljuboja (VfB Stuttgart – 0 ausgeliehen): Aktuell sagt sein Trainer bei Legia Warschau, Ljuboja sei der absolute Mittelpunkt der Mannschaft und ein einwandfreier Charakter. Diese Meinung wird man in Deutschland nicht so häufig vorfinden. Hier stehen eher “Abzocker” und “Stinkstiefel” im Zentrum der Einschätzungen. Nach seinem Wechsel aus Frankreich war seine erste Stuttgarter Saison noch okay, in Hamburg und wieder beim VfB lief es dann schon nicht mehr. Und wer nimmt gerne Abzocker? Der Felix. Seine Wolfsburger Ära kann man auch schnell wieder zu den Akten legen. Als Fehleinkauf vorhersehbar, als Fehleinkauf auch wieder gegangen. Heute spielt diese Rolle übrigens Marica auf Schalke.

Christian Gentner (VfB Stuttgart – 400,000 ausgeliehen): Als frisch gebackener Meister ausgeliehen, wurde Gentner auch in Wolfsburg zum Meisterspieler (nach dem Kauf ein Jahr später). Gentners unverschnörkelte, zielstrebige Spielweise passte perfekt zu Magaths VfL, in drei Jahren in Wolfsburg verpasste Gentner gerade einmal drei Bundesligaspiele. Für insgesamt 2,9 Millionen Euro (Leihgebühr und Transfersumme) ein ausgezeichneter Transfer, wie so viele in dieser Saison.

Edin Dzeko (FK Teplice – 4,000,000): Höher geht der Pfeil gar nicht. Hier hätte man gerne mal Scouting-Mäuschen gespielt, wie Magath auf diesen Mann aufmerksam wurde, der gar nicht mal sooo überzeugend in Teplice agierte. Alleine die 37 Millionen Euro, die Wolfsburg später von Manchester City kassierte (9,25-fache Wertsteigerung), sind überragend – überragend aber auch Dzekos 66 Bundesligatore für den VfL (in gerade einmal dreieinhalb Jahren) und sein Anteil am Titelgewinn. Weitere Kommentare überflüssig, vier Millionen sicher riskant, aber vermutlich hatte Magath irgendwie das Potential erkannt. Ein Gegenmodell zu beispielsweise Jönsson, der auch teuer war, bisher aber nicht annähernd Dzekosche Züge zeigt.

Ricardo Costa (FC Porto – 4,000,000): Naja, es geht so, ne. Lediglich 41 Spiele in zweieinhalb Jahren Wolfsburg (von 85 möglichen), auch nicht ganz der Stabilisator, den man in ihm gerne gehabt hätte. Bekam einen Drehwurm, weil Magath ihn immer wieder zwischen Spielfeld und Tribüne hin- und herschickte. Insgesamt 4 Millionen Euro eher zu teuer für einen Spieler, der zuvor in Porto schon eher auf dem absteigenden Ast war. Hatte mit Kreuzbandriss und Rippenbruch aber auch keine leichte Zeit – was er wirklich drauf hat, durfte er vergangene Saison in Valencia zeigen, wo er durchaus zum Fast-Stammspieler taugte.

Jan Simunek (Sparta Prag – 2,500,000): 30 Einsätze in der ersten Spielzeit, 17 Einsätze in der Rückrunde der Meistersaison – Simuneks Anteil am Wolfsburger Höhenflug war nicht gerade klein. Leider brach nach dem Titel (dann unter Veh) die Leistungskurve völlig ab, dem Verkauf nach Kaiserslautern folgte auch noch ein mehr als einjährige Leidenszeit mit Adduktorenproblemen. So hört man von Simunek aktuell nicht mehr irrsinnig viel, für Magath und Wolfsburg war er aber zu Beginn ein wertvoller Transfer und einer der wenigen Innenverteidiger, bei denen Magath richtig lag.

Sergiu Radu (FC Energie Cottbus – 2,250,000) und Vlad Munteanu (FC Energie Cottbus – 2,250,000): Hier mal die Bewertung zusammen, immerhin kamen beide ja als gut geschnürtes 4,5-Millionen-Paket aus Cottbus. Ein Urteil fällt wirklich schwer, denn beide hatten tatsächlich in Cottbus eine überragende Saison gespielt und nicht nur Magath war an den beiden interessiert. Doch das Ergebnis des Transfers ist verheerend. Beide bekamen in Wolfsburg nie ein Bein auf den Boden, vor allem Munteanu erlitt durch diesen Wechsel den ultimativen Karriereknick. Verwunderlich, welches Umfeld Magath ihnen geschaffen haben muss, damit sie so schnell durch den Rost fielen. Eigentlich waren beide schnell und technisch gut, hätten also auch mit dem Magathschen Umschaltspiel klar kommen können. Kamen sie nicht. Deshalb: Pfeil runter!

Sascha Riether (SC Freiburg – 500,000): Dass Riether ganz gut Fußball spielen konnte, war in seiner Freiburger Zeit ziemlich klar geworden. Ebenso, dass er bei einem besseren Verein den nächsten Entwicklungsschritt sicher gehen könnte. Dass er es aber auch in dieser Form tat, zeigt, dass es zwischen Magath und ihm (mindestens fußballerisch) stimmte. Riethers Entwicklung war großartig, sein Anteil an der Meisterschaft vorhanden. Viel mehr der Worte sind hier auch überflüssig, die geringe Ablösesumme sicherlich noch erwähnenswert.

Grafite (Le Mans FC – 7,500,000): Ich verfolge den internationalen Fußball ganz gern, das Talent von Grafite war mir aber bis zu seinem Transfer nach Wolfsburg gänzlich verborgen geblieben. Umso höher ist es einzuschätzen, dass die Magathschen Mitarbeiter ihn nach 12 Toren in 34 Spielen für Le Mans ausfindig machten und für ihn diese hohe Summe auf den Tisch legten. 59 Bundesligatore inklusive der Torjägerkrone in der Meistersaison sprechen eine deutliche Sprache. Generell wurden in diesem Jahr die meistens Transfers zu Gold, Grafites Einkauf aber war besonders schön golden, hätte er doch auch ziemlich blechern werden können.

Josué (FC Sao Paulo – 1,460,000): Noch so ein unbekannter, den Magath aus irgendeinem Hut zauberte und der zumindest in seiner ersten Wolfsburger Periode zum absoluten Führungsspieler avancierte. Wolfsburg hätte die Meisterschale ohne Misimovic, Grafite und Dzeko nicht mal aus der Ferne gesehen – ohne Josué wären sie aber wohl kurz vor der Krönung hängen geblieben. Traurig, dass er inzwischen zwischen Ersatzbank und Spielfeld dümpelt und vor allem unter Veh stark abbaute. Dennoch auch in diesem preislichen Rahmen ein super Transfer.

Ashkan Dejagah (Hertha BSC Berlin – 0): Dejagah, einer aus der Berliner Rasselbande der Hochtalentierten aber mit mäßigem IQ ausgestatteten um Ebert und Boateng – ihn in die Autostadt zu lotsen war clever. Seit knapp fünf Jahren mimt er den talentierten Einwechselspieler, der beizeiten auch mal zum Stammspieler wird, um dann in den Leistungen zu schwanken und wieder zurückzurücken. Diese Saison allerdings einer der wenigen Lichtblicke in Wolfsburg. Insgesamt ein ablösefrei ausgezeichneter Transfer. Ekelhaft, so viel Lob an Magath vergeben zu müssen.

 

2006/07 FC Bayern München (Manager: Uli Hoeneß):

Mark van Bommel (FC Barcelona – 6,000,000): Wir sind jetzt in der Saison angekommen, wo Magath Ende Januar 2007 in München vom Hof gejagt wurde, an allen Transfers aber noch beteiligt war (wenn man davon ausgeht, dass Hoeneß und Magath die Transfers abgesprochen haben). Van Bommel war sicher ein sehr guter Einkauf. In Eindhoven bärenstark, bei Barca auch stark, aber etwas aufs Abstellgleis geraten, haben die Bayern hier zum genau richtigen Zeitpunkt zugeschlagen. Die 6 Millionen Euro klingen auf den ersten Blick etwas viel, allerdings war van Bommel damals im besten Raubein-Fußballer-Alter und hat die Qualität des FCB-Mittelfelds nicht verschlechtert. Von daher (oder wie man da unten auch gerne sagt: von demher) eine runde Sache.

Daniel van Buyten (Hamburger SV – 8,000,000): Einige Zeit lang unvorstellbar, dass van Buyten damals 8 Millionen Euro wert war und damit beispielsweise nur wenig weniger als Ismael oder Lucio. Aber er hatte nunmal beim HSV eine ziemlich gute Spielzeit hinter sich und war äußerst populär damals. Seitdem schwankt er zwischen großer Fehleinkauf und immer wieder zurückkehrender, zuverlässiger Teamplayer, der inzwischen schon in sein sechstes Jahr bei den Bayern geht. Vielleicht hätte man auf dem internationalen Markt (obwohl der für Innenverteidiger ja auch nicht zu rosig ist) für diese Summe noch einen größeren Qualitätssprung machen können, aber wie sagt der Bayer: passt scho.

Lukas Podolski (1.FC Köln – 10,000,000): Jaja, der Transfer von Lukas Podolski. Da haben die Bayern die Muskeln spielen lassen, ohne sich vorher richtig damit zu beschäftigen, wo Poldi überhaupt spielen soll und wie es um den Charakter des Spielers bestellt ist. Die Poldi-Story ist durchgekaut, trotzdem muss man nochmal sagen, dass die Bayern hier vorrangig verhindert haben, dass Podolski bei Bremen, dem HSV oder auf Schalke landet und damit die Konkurrenz schwächten. Für 10 Millionen Euro kein ganz billiges Unterfangen – allerdings war der FC ja dumm genug (aus Bayern-Sicht), den jungen drei Jahre später für eine ganz ähnliches Summe zurückzukaufen.

 

2005/06 FC Bayern München (Manager: Uli Hoeneß):

Julio dos Santos (Cerro Porteno – 2,700,000): Im Vergleich zu José Ernesto Sosa (9 Millionen) oder Breno (12 Millionen) war der Transfer von dos Santos zwar nicht ganz so pekuniär intensiv, ein Transferflop war es trotzdem. Der Paraguayer kam in zwei Jahren auf fünf Bundesligaspiele und konnte sich einfach nie richtig durchsetzen. Viel mehr gibt es dazu auch nicht zu sagen – wenn nur eine von drei Neuverpflichtungen bereits so floppt, muss das Scouting-System der Bayern irgendwie danebengelegen haben.

Valérien Ismael (SV Werder Bremen – 8,500,000): Es muss hier ganz klar darauf hingewiesen werden, dass Magath in seiner Bayern-Zeit alles andere als ein Alleinherrscher war, sondern den starken Mann Uli Hoeneß an seiner Seite hatte. Deshalb ist die Wertigkeit Magaths für diese Transfers schwerlich zu beurteilen, man kann aber trotzdem mal anführen, dass der Einkauf von Ismael finanziell im richtigen Rahmen lag, sportlich mehr als nachvollziehbar war und auch von Magath gut umgesetzt wurde. Ohne sein Verletzungspech hätte Ismael auf längere Zeit Bayerns Abwehrchef werden können oder zumindest sehr gutes Beiboot zu Lucio.

Ali Karimi (Al Ahli – 0): Hat nix gekostet, hat aber auch wenig gebracht. Komisch allerdings, dass ein Spieler wie Karimi (tendenziell schwerfällig und nicht der fleißigste) in ein Magath-Team geholt wurde. Fußballerisch mag er so seine verborgenen Talente gehabt haben, insgesamt aber ein schlechter Einkauf, der nur dadurch geschönt wird, dass auch keine Ablösesumme in die Vereinigten Arabischen Emirate geflossen ist. Beeindruckend, dass Karimi im Endeffekt doch in 33 Meisterschaftsspielen auf dem Platz stand (durchschnittlich 60 Minuten), der bleibende Eindruck aber eher mäßig ist.

 

2004/05 FC Bayern München (Manager Uli Hoeneß):

Bixente Lizarazu (Olympique Marseille – 0): Philipp Lahm hatte sich in seiner ersten richtigen Saison bei den Bayern verletzt und Bayern suchte einen Ersatzmann für die linke Defensivseite. Warum da also nicht Lizarazu nehmen, der erst ein halbes Jahr vorher nach Marseille gegangen und zugegebenermaßen schon etwas alt war? Der Spieler war billig, seine Leistungsmöglichkeiten und seine hohe Identifikation mit dem Klub bekannt, also ein guter Transfer. Kein sehr guter, denn vielleicht hätte man auf dem Markt auch jemanden gefunden, der Bayern auch nach der Genesung von Lahm eine Hilfe gewesen wäre. Da Lahm aber kurze Zeit später noch einen Kreuzbandriss erlitt und Lizarazu noch bis 2006 blieb, muss der Pfeil mindestens schräg nach oben zeigen.

Vahid Hashemian (VfL Bochum – 2,000,000): Uli Hoeneß im Himmel, geheiligt sei dein sonstiger Spürsinn, dein Ribery komme, dein Robben geschehe. Doch unseren alljährlichen Transfer ohne Sinn gib uns heute, und vergib uns unseren Hashemian, wie auch wir vergeben unseren Baumjohann. Und führe uns nicht in Landon Donovan, sondern erlöse uns von Jan Schlaudraff. Denn dein ist Tobias Rau, und Pablo Thiam – und die Konkurrenzschwächungstransfers in Ewigkeit. Amen.

Lucio (Bayer 04 Leverkusen – 12,000,000): Unumstritten ein Toptransfer. Lucio war bereits weltklasse (hatte dies auch desöfteren international unter Beweis gestellt), auch gegen die Ablösesumme sprach hier also gar nichts. Auch im Nachhinein spricht nichts dagegen. Bis zu seinem etwas dubiosen Weiterverkauf nach Mailand (für 7 Millionen Euro) war er Bayerns Abwehrleader, bei stets wechselnder Belegschaft (abgesehen vom Evergreen van Buyten). Soweit erinnerbar stand der Wechsel aber auch schon vor Magaths Herrschaft fest. Hier also das Lob an Hoeneß und Konsorten, nicht an Felix.

Torsten Frings (Borussia Dortmund – 9,250,000): Es begab sich zu einer Zeit, als Torsten Frings noch nicht von Jogi Löw ausgebootet worden und im besten Fußballeralter war, da schnappte der FC Bayern den Star den Dortmundern, Bremern und sonstigen Interessenten weg. Das war gut, denn Frings war wirklich gut. Einziges Problem: Trotz durchaus hinnehmbarer Leistungen in München, wurde er weder mit dem Verein noch mit dem Trainer warm. Das hätte man vielleicht vorher ahnen können. 9,25 Millionen Euro für eine Saison waren durchaus expensiv. Ein Jahr später gab es noch 5 Millionen Euro von Werder für Frings – ein sattes Transferminus von 4,25 Millionen. Naja, wer’s hat.

Andreas Görlitz (TSV 1860 München – 2,500,000): Eine gute Saison reichte für Andreas Görlitz, um von einem Lokalrivalen zum anderen zu wechseln. Das war aus Görlitz’ Sicht sicher nett, aus Bayern-Sicht aber etwas unvorsichtig. Vor allem als Backup für Willy Sagnol gekauft (2,5 Millionen Euro vielleicht ein wenig sehr teuer dafür), konnte er zu Beginn sogar ein wenig mitkicken, doch Sagnol stabilisierte sich und Görlitz konnte sich nie richtig durchsetzen und endete in Ingolstadt. Aber jetzt die Oberpointe: Wusste jemand, dass Görlitz im Spätsommer 2004 gegen Brasilien und Iran sogar mal in der Nationalelf randurfte? Hat ein Tor vorbereitet. Aber gut, damals musste Klinsmann auch noch jeden berufen, der zwei Schritte geradeaus laufen konnte, ohne über den Ball zu stolpern oder an Altersschwäche zu sterben.

 

2003/04 VfB Stuttgart:

Hakan Yakin (FC Basel – 2,500,000): Zur Winterpause gekommen, muss Hakan Yakin (nicht zu verwechseln mit Murat, der sechs Jahre zuvor eine Saison beim VfB kickte) als Unvollendeter im Jahrbuch des Vereins für Bewegungsspiele stehen. Yakin gelang nicht viel, er wurde auch mit Magath nie richtig warm und verschwand 361 Tage später zu Galatasaray Istanbul. 2,5 Millionen Euro wirkten auch damals überzogen, könnte aber auch daran liegen, dass ich Yakin schon immer mehr für einen Traumtänzer hielt, der ganz selten mal brillierte. In Stuttgart brilliert er gar nicht. Wie bei Centurion (siehe unten) ging es hier ziemlich schief.

Marco Streller (FC Basel – 3,000,000): Kam wie Yakin aus Basel, durfte aber länger bleiben und kam immerhin auf 12 Tore in 69 Bundesligaspielen (gut, für einen Drei-Millionen-Mann ist die Quote schrottig). Insgesamt verbindet man mit Streller in Stuttgart aber eine solide Zeit, einen mannschaftsdienlichen Spieler, der vor allem nach der WM 2006 nochmal durchstartete und in seiner Heimat immer noch auf einen brauchbaren Toreschnitt kommt. Die drei Millionen waren vielleicht etwas zu hoch, allerdings war Streller damals eben auf dem Markt und nicht unbegehrt. Weder besonders negativ, aber eben auch nicht zu positiv zu bewerten.

Boris Zivkovic (FC Portsmouth – 200,000): Es sprach eigentlich nicht viel gegen diese Verpflichtung. Zivkovic war 2002 noch mit Bayer Leverkusen im Champions League Finale gewesen, hatte große Bundesligaerfahrung. Alleine der Fakt, dass er in Portsmouth eine eher mittelprächtige Saison hatte und der Spielrhythmus fehlte, hätte einen von den 200,000 Euro abhalten können. Sie hielten Magath nicht ab, das Resultat war in Ordnung. Zivkovic avancierte nicht mehr zum Leistungsträger, zum guten Ergänzungsspieler reichte es aber allemal. Nach zwei Jahren war dann allerdings Schluss. Dann war nur der 1.FC Köln so blöd, ihn zu holen.

Imre Szabics (Sturm Graz – 0): Stuttgart hatte sich für die Champions League qualifiziert und suchte neben Kuranyi nach einem guten zweiten Angreifer. Dafür holte man zwar Streller, am Ende wurde es aber Szabics, der vor allem für einige legendäre Europapokalabende im Ländle verantwortlich zeichnet. In Konkurrenz zu Streller und Cacau dennoch 49 Bundesligaspiele in zwei Jahren absolviert zu haben, spricht für den Ungarn, der inzwischen wieder in Graz seine Brötchen verdient. Ablösefreie Transfer, ziemlich guter Ertrag.

Markus Husterer (FC Bayern München II – 0): Für Husterer war die Bundesliga einfach eine Nummer zu groß, den Versuch war es aber wert. Immerhin war er damals Stammspieler in Bayerns Zweiter und Stuttgart konnte einen guten deutschen Nachwuchsinnenverteidiger gebrauchen. Husterer war nur der falsche. Am Ende verabschiedete er sich aus Schwaben mit nur zwei BL-Spielen. Hat dann aber in Frankfurt (FSV), Braunschweig und Offenbach immerhin noch Zweit- und Drittliga-Karriere gemacht.

Serge Branco (Eintracht Frankfurt – 0): Erinnert sich noch jemand an Serge Branco? Wenn nicht, nicht schlimm. Der hatte in Frankfurt vorher mäßig gut Zweite Bundesliga gespielt und dennoch irgendwie den arg klammen Geldbeutel von Magath auf sich aufmerksam gemacht. Brancos Intermezzo in Stuttgart war jedoch ein Reinfall, 18 Bundesligaminuten eher ein Trauerspiel. Wie gesagt, Magath hatte damals nicht viel Geld zur Verfügung, um den Kader (auch für die Champions League aufzufüllen. Wie er jedoch dieses Geld für Branco (immerhin kostete der ja auch Gehalt) verschleudern konnte, bleibt sein Geheimnis.

Cacau (1.FC Nürnberg – 0): Cacau hatte in Nürnberg mehrfach sein Können aufblitzen lassen, ihn zu holen war damals sehr vernünftig und kann tatsächlich mal als guter Griff für die Zukunft gewertet werden, immerhin war er gerade mal 22 Jahre alt, für lau zu haben und wurde nach einem Jahr Anlauf (hinter Kuranyi und Szabics) unangefochtener Stammspieler in Stuttgart. Ein kalkulierbarer Transfer mit gutem Ausgang für den Verein, sehr gut.

Philipp Lahm (FC Bayern München – 200,000 ausgeliehen): Jeder kennt die Aschenputtel-Geschichte von Lahm, der sich verleihen ließ, um in Stuttgart richtig durchzustarten und als guter Bundesligaprofi zu Bayern zurückzukommen. Hat alles geklappt und sich für alle Beteiligten gelohnt – für Lahm, Bayern und den VfB. Das Näschen Magaths war hier exzellent, die Leihgebühr marginal verglichen mit der Leistungsexplosion, die Lahm im Schwabenländle hinlegte.

Dirk Heinen (Denizlispor – 100,000): Nach dem Abgang von Thomas Ernst als Nummer zwei, brauchte der VfB einen zuverlässigen, erfahrenen zweiten Mann und fand diesen in Heinen. Dass 100,000 Sesterzen in die Türkei überwiesen wurden, wirkt etwas übertrieben – aber der Ex-Leverkusener spielte in Stuttgart immerhin auf seine alten Tage noch dreimal Bundesliga – hinter Hildebrand war ansonsten eh nicht viel zu holen.

Jurica Vranjes (Bayer 04 Leverkusen – 0): Jurica Vranjes hat auf jeden Fall eine ziemlich bizarre Bundesligakarriere hinter sich. Weder in Leverkusen noch in Stuttgart oder Bremen wurde zum richtigen Stammspieler, hat aber trotzdem 176 Spiele im Oberhaus in seinem Lebenslauf stehen. Er hat auch das Kunststück geschafft, nicht Deutscher Meister zu werden, obwohl er zwischen 2003 und 2008 bei Stuttgart (Meister 07) und Bremen (Meister 04) unter Vertrag stand – nur jeweils beim falschen Team. Zurück zum Transfer: Leverkusen wollte Vranjes loswerden, Stuttgart konnte einen stillen Allrounder gut gebrauchen. nach zwei Vranjes-typischen Saisons ging es weiter nach Bremen. Alles im Lot also.

Emanuel Centurion (CA Velez Sarsfield – 2,000,000): Großer Fehleinkauf. War für die Bundesliga immer zu weich, für damalige Stuttgarter Verhältnisse viel zu teuer. Konnte weder in der Bundesliga noch in der Champions League ansehnlich Akzente setzen. In einer Reihe zu nennen mit anderen Stuttgarter Fehleinkäufen aus Südamerika wie Elson oder Ewerthon. Mehr gibt es dazu auch eigentlich gar nicht zu sagen.

Ivan Stoyanov (Sliven OFK – 50,000): Niemand wird einem den Expertenstatus aberkennen, wenn einem dieser Name nichts sagt. Bei einer Wette über die Zahl der Bundesligaspiele des Bulgaren könnte man getrost alles auf “zero” setzen. Auch hier war das Risiko natürlich überschaubar, aber der Ertrag sogar unsichtbar. Immerhin blieb Stoyanov zwei Jahre lang in Stuttgart, vielleicht hat ihm die Gegend gut gefallen.

 

2002/03 VfB Stuttgart:

Diego Benaglio (Grashoppers Zürich – 150,000): Relativ schwer zu beurteilen ist dieser Transfer. Benaglio galt damals schon als großes Talent als ihn der VfB kaufte und spielte auch in seinen 37 Regionalligaspielen ordentlich, bekam aber nie seine Chance in der ersten Mannschaft, wo mit Timo Hildebrand eine klare Nummer 1 mit Identifikationscharakter thronte – und dahinter mit Thomas Ernst noch eine äußerst erfahrene Nummer 2. Dennoch muss man aufgrund seiner späteren Entwicklung sagen, dass der frisch gekürte Trainer-Manager Magath hier ein gutes Näschen bewies. Siehe Wolfsburg.

Horst Heldt (Sturm Graz – 0): Brillianter Transfer. Als Magath nach einem legitimen Balakov-Nachfolger fahndete, fiel wohl nur ihm der längst verschollene Horst Heldt ein. Dass sich dieser Transfer auch für das spätere VfB-Management als Glücksfall erwies (Meisterschaft 2007), sei jetzt mal hintangestellt – aber die spielerischen Fähigkeiten, die Magath noch aus Heldt presste, waren bemerkenswert und führten Heldt ja sogar noch in die Nationalelf. Bei diesem Transfer ohne großes Risiko passte alles. Interessant wäre es nur geworden, wenn es schief gegangen wäre. Dann hätte Magath das spärlich vorhandene Geld für einen Mittdreißiger ausgegeben, ohne das Team zu stärken. Hätte, hätte, Fahrradkette.

Michael Mutzel (Eintracht Frankfurt – 0): Naaaaajaaaaa, Mutzel war damals sicherlich kein unbrauchbares Talent und ist immerhin 16 Mal für den VfB in der Bundesliga aufgelaufen. Eine Offenbarung war dieser Transfer im Nachhinein jedoch trotzdem nicht. Solide Einkaufspolitik ohne großen Risikofaktor – zu einer Zeit als die deutschen Nachwuchstalente noch an einer Hand abzuzählen waren und Özil noch mit Götze und Schürrle in der Grundschule am Stangengerüst turnte. Kein Vorwurf – kein Lob.

 

2001/02 VfB Stuttgart (Manager: Rolf Rüssmann):

Fernando Meira (Benfica Lissabon – 7,500,000): Zweifellos war Meira ein finanziell riskanter Einkauf, allerdings hatte der noch junge Portugiese bereits damals schon die Kapitänsämter bei Vitoria Guimaraes und Benfica Lissabon inne gehabt und Führungsqualitäten bewiesen. Im Nachhinein muss man feststellen, dass die 7,5 Millionen sehr gut angelegt waren. Meira spielte lange Zeit überragend in Schwaben und wurde sechseinhalb Jahre später immerhin noch für 4,5 Millionen nach Istanbul vertickt, nachdem er sich einige Zeit mit Verletzungen rumgeplagt hatte. Egal ob Rüssmann oder Magath diesen Transfer eingestielt haben – es war auf jeden Fall ein Guter.

Rui Marques (Hertha BSC Berlin – 550,000): Ich muss zugeben, hier verlassen mich meine Kenntnisse ein wenig. Auch wenn ich behaupten würde, jeden Bundesligaprofi der vergangenen zehn Jahre mindestens rudimentär zu kennen, Rui Marques sagt mir leider nichts. Die bloßen Fakten sagen, dass er bereits in der Saison zuvor an den VfB verliehen war, dann gekauft wurde und anschließend noch 37 Bundesligaspiele für Stuttgart machte. Ganz schlecht kann der Transfer vor allem bei dieser Kaufsumme also nicht gewesen sein.

 

 

Zu guter letzt werfen wir einen Blick auf die Jugend-/Amateurspieler, die Magath in diesen zehn Jahren zu den Profis befördert hat und klären den kleinen Mythos, Magath habe ein Händchen für junge Leute:

Gutes Händchen: Julian Draxler (FC Schalke 04 U19), Joel Matip (FC Schalke 04 II), Andreas Ottl (FC Bayern München II), Paolo Guerrero (FC Bayern München II), Kevin Kuranyi (VfB Stuttgart II)

Weniger gutes Händchen: Marvin Pachan (FC Schalke 04 U19), Predrag Stevanovic (FC Schalke 04 U19), David Loheider (FC Schalke 04 U19), Stephan Fürstner (FC Bayern München II), Lars Unnerstall (FC Schalke 04 II), Mats Hummels (FC Bayern München II), Denis Berger (VfB Stuttgart II), Steffen Dangelmayr (VfB Stuttgart II), Fabio Morena (VfB Stuttgart II), Robert Vujevic (VfB Stuttgart II)

Noch nicht zu beurteilen: Sebastian Polter (VfL Wolfsburg II), Kevin Scheidhauer (VfL Wolfsburg U19), Robin Knoche (VfL Wolfsburg U19), Maximilian Arnold (VfL Wolfsburg U19), Michael Schulze (VfL Wolfsburg II), Bjarne Thoelke (VfL Wolfsburg II)

Die Einteilung mag in einigen Fällen etwas komisch klingen, daher mag ich es erklären:

In der Kategorie “Gutes Händchen” stehen die Kandidaten, die Magath nicht nur hochgezogen hat, sondern die sich auch unter ihm nachhaltig als Stammspieler oder zumindest fester Bestandteil des Kaders etabliert haben. Draxler, Matip, Ottl, Guerrero und Kuranyi waren durchweg gute Spieler, die Magath hochgezogen und über kurz- (Guerrero) oder langfristig gefördert hat. Natürlich kann man argumentieren, dass einige dieser Spieler auch bei anderen Trainern ihre Karriereschritte gemacht hätten und in der Jugend ohnehin sehr auffällig waren. Das Beispiel Kuranyi, der in der A-Jugend ja sogar nur Ersatzspieler war, zeigt aber, dass Magath durchaus ein Näschen besitzt. Die Quote ist insgesamt nicht schlecht, schließlich ist bei Jugendspielern ja fast immer ein wenig Trial and Error dabei und fünf gut eingeschlagene Männer in 10 Jahren plus die ganzen Lahms oder Moritz’, die er erfolgreiche eingebaut hat, ohne dass sie aus der vereinseigenen Nachwuchsabteilung stammten.

In der Kategorie “weniger gutes Händchen” stehen solche Spieler, die entweder den Durchbruch gänzlich verpassten, oder nicht unter Magath oder bei einem ganz anderen Verein vollzogen wie zum Beispiel Mats Hummels, Lars Unnerstall oder Stephan Fürstner. Stevanovic spielt inzwischen in Bremen, Morena bei St. Pauli oder Berger bei Bochum – alles also durchaus Profis (obwohl von Stevanovic immer noch nicht viel zu sehen ist), aber eben keine Magathschen Profis. Da es beim Einbau von Nachwuchstalenten oft auch auf den richtigen Moment oder die temporäre Entwicklung der Spieler ankommt, ist Magath vermutlich auch im Fall Hummels kein großer Vorwurf zu machen, auch wenn dessen großes Talent immer auf der Hand lag. Der Vorwurf gilt aber eher den Münchnern, die Hummels nach Magaths Amtszeit ziehen ließen.

Die letzte Katerogie “noch nicht zu beurteilen” beinhaltet vor allem Spieler, die er vor der Saison 2011/12 zu den Wolfsburger Profis hochgezogen hat. Allerdings kann man auch hier schon urteilen, dass davon bislang nur Thoelke eine richtige Chance bei den Profis bekommen hat – wenn man mal von Polter absieht, der im letzten Hinrundenspiel sogar ein Tor gemacht hat. Mit Maximilian Arnold und Kevin Scheidhauer hat er in jedem Fall noch zwei Spieler im Kader, die von Experten mit einigen Vorschusslorbeeren bedacht wurden. Mal schauen, ob es ihm gelingt, trotz aller Transfers auch den ein oder anderen Jungen bei den Wölfen einzubauen.

Insgesamt muss man schon sagen, dass Magath mit jungen Leuten umgehen kann – dieser Mythos stammt aber vor allem aus seiner Stuttgarter Zeit, als er aus dem Nichts eine Truppe mit den (schon vorhanden seienden) jungen Wilden um Hildebrand, Hinkel oder Kuranyi formte und aus seiner Schalker Zeit, wo er vier Talenten den großen Sprung in den Profifußball erfolgreich ebnete. In seinen Wolfsburger und Münchner Zeiten hingegen gelang ihm sowas kaum – was auch daran liegen könnte, dass seine finanziellen Möglichkeiten dort deutlich besser sind/waren und er deshalb nicht dem Zwang unterlag, auf junge Spieler zu setzen und stattdessen wahllos Leute nach dem Prinzip top oder flop  einkauft/einkaufte.

 

Quelle der Ablösesummen: www.transfermarkt.de

Letzte Anmerkung: Möglicherweise wurden einzelne Spieler schon vor Amtsantritt von Magath verpflichtet. Diese Transfers wurden nicht aussortiert – mit einer Ausnahme: Srdjan Lakic.

 

Hier geht’s zur zweiten Folge mit Klaus Allofs.

Share via email