Spiel des Tages: Pune FC – East Bengal Club

Ein Glas Rotwein pro Tag soll gesund sein, vielleicht gilt das ja auch für ein tägliches Fußballspiel? Gestern ist das Band gerissen, der erste Tag ohne Spiel des Tages. Ja, es hat etwas gefehlt. Heute geht’s aber mit Ausgabe 16 weiter. Ein Spiel der indischen I-League zwischen dem Pune FC und dem East Bengal Club steht auf dem SdT-Programm.

Wie gut ist eigentlich der indische Fußball? Diese Frage stellte ich mir vor dem Spiel zwischen Pune und East Bengal. Ein Blick auf die Geschichte zeigt, dass es noch schlechter ist, als ich dachte. Immerhin gibt es doch inzwischen 1,2 Milliarden von ihnen, da werden doch elf halbwegs begabte Spieler zu finden sein? Die meisten aber spielen wohl doch lieber Cricket oder Hockey, denn in diesen beiden Sportarten zählt Indien zu den besten der Welt. Zumindest könnte man zu dem Schluss kommt, wenn man sich die Ergebnisse der indischen Nationalmannschaft anschaut.

Quelle: Flickr-User Pixelsior

Quelle: Flickr-User Pixelsior

An einer Weltmeisterschaft hat Indien noch nie teilgenommen. 1950 wäre es nach der Absage einiger Teams möglich gewesen, doch da wollten die Inder nicht, weil man ihnen nicht erlaubt hat, barfuß zu spielen.  Erst 1986 nahm man wieder an Qualifikationsspielen teil – nicht allzu erfolgreich. Zuletzt scheiterte man bei der Qualifikation zur WM 2010 bereits in der ersten Runde am Libanon. In der FIFA-Weltrangliste liegt Indien aktuell auf Position 162, hinter den Fidschi-Inseln, dafür aber vor Guinea-Bissau.

Heute werfen wir also einen Blick auf die I-League, die höchste indische Spielklasse. Die Spitzengruppe liegt nach 13 Spieltagen noch eng beieinander, Tabellenführer ist aktuell Dempo SC (27 Punkte) vor den Churchill Brothers (26 Punkte), die noch ein Spiel weniger auf dem Konto haben. Danach folgt schon der East Bengal Club (26 Punkte), der heute beim Tabellenfünften aus Pune antritt (22 Punkte). Die Puner haben seit sieben Spielen nicht mehr verloren und zählen zu den Teams mit der besten Form. Lediglich ein schwacher Saisonstart sorgte dafür, dass sie im Moment nur in Lauerstellung hinter der Spitzengruppe rangieren. Dank der guten Form ist Pune in diesem Spiel nur leichter Außenseiter. Die Siegchancen für das Heimteam liegen hier bei etwa 30 Prozent und ungefähr genauso hoch wie die Wahrscheinlichkeit für ein Unentschieden. Zu 40 Prozent wird es in diesem Spiel einen Auswärtssieg für den East Bengal Club geben.

Pune ist das Hoffenheim Indiens. Erst 2007 gegründet und in der I-League 2 gestartet, stieg der Verein 2009 in die erste Liga auf und ist seitdem eindeutig auf dem Weg nach oben. Den Kingfisher East Bengal Club gibt es bereits seit 1920, Hauptsponsor ist die größte Biermarkes des Landes, die auch im Vereinsnamen erklingt.

 

Die Aufstellungen:

Pune FC: Abhra, Srikanth, Anas, Chika, Costa, Karma, Douhou, Baldeep, Lester, Jeje, Keita

East Bengal: Gurpreet, Nirmal, Gurwinder, Uga, Saumik, Reisangmi, Mehtab, Sushanth, Harmanjot, Penn, Tolgay

 

Die erste Halbzeit:

Es fällt wirklich schwer sich anfangs auf das Spiel zu konzentrieren, ich möchte daher zunächst mit einer “Anatomie der Schreie” beginnen. Sobald der Ball nur halbwegs in Tornähe kommt, Schreie. Sobald ein Ball durch die Luft fliegt, Schreie. Je höher der Ball, desto höher auch die Tonlage der Schreie. Das wird auch nicht besser durch die Trommeln, die ab Minute 6 hinzukommen. Entweder das ist so üblich in Asien, ich kann mich nicht mehr genau erinnern, wie das beim Pokalspiel in Japan war. Oder aber es sitzen mehrere Schulklassen in der Nähe der Außenmikrofone.

Vom Spiel gibt es in den ersten sechs Minuten nicht viel Erzählenswertes, außer einem leichten Übergewicht für den East Bengal Club. Sechs Minuten? Ja, denn dann ist auch erst mal wieder Schluss. Ein Fluchtlicht ist ausgefallen, das Spiel unterbrochen. Herzlich Willkommen in Indien! Ein Flutlicht geht zwar noch, aber anscheinend ist das nicht hell genug für die Spieler oder zumindest ungerecht für eine der beiden Mannschaften. Dabei kommt man doch auch mit einer Niere ganz gut klar. Wieso nicht auch mit einem Flutlicht? Die Spieler scheint das nicht allzu überrascht, vielleicht passiert das öfter hier?

In der neunten Spielminute nimmt sich ein Offizieller von Pune ein Herz und greift zum Handy. Unter der kreischenden Schulklasse werden derweil Bananen verteilt, Stimme ölen und so. Alle haben einen Rucksack dabei, man ist auf alle Unwägbarkeiten des indischen Fußballs vorbereitet. In Spielminute 16 gehen dann ganz langsam die einzelnen Lämpchen des Flutlichmastes wieder an, es kann weitergehen. Zehn Minuten Unterbrechung waren das nur, die ziehen wir dann jetzt einfach wieder ab und machen in Spielminute sechs weiter.

In den ersten Minuten ist East Bengal hier das klar bessere Team, deutlich ballsicherer und mit gefährlichen Anspielen in die Spitze. Schon zwei Mal wäre einer der Angreifer fast vor Torhüter Abhra am Ball gewesen. Pune rennt hingegen ständig ins Abseits. Die kleinen Racker auf der Tribüne werden insgesamt etwas ruhiger, nur zwischendurch schreien so noch alle zusammen richtig laut, aber nicht passend zum Spielgeschehen. Heizt hier etwa die Lehrerin an?

Ab Mitte der ersten Hälfte drehen sich die Spielanteile um. Jetzt macht vor allem Pune hier Druck. Erst haut Uga den Ball per Kopf fast ins eigene Tor (32. Minute), dann kommen die Puner auch selbst zu Chancen. Karma Tsewang scheitert aus 19 Metern an Torwart Gurpreet (33. Minute). Der Ball hätte genau rechts unten gepasst. Rechts unten hätte auch der Schuss von Baldeep den Weg ins Tor finden können, doch erneut ist der Torwart zur Stelle und klärt zur Ecke. Kurz vor der Halbzeit ist dann Karma Tsewang frei durch und auf dem Weg zu Gurpreet, doch er legt sich den Ball zu weit vor. Der Chancenreigen für Pune endet mit einem weiteren Schuss von halblinks durch Lester, doch auch den hat Keeper Gurpreet. Pune hätte die Führung zur Halbzeit hier durchaus verdient gehabt.

 

Halbzeit: 

Schöne Halbzeit-Show, fast auf Super Bowl-Niveau! Ganz viele kleine Inder tanzen zu wildem Getrommel chaotisch umher. Später auch in schönen Mustern. Nicht immer allerdings in Mustern, die man hier in Deutschland akzeptieren würde (siehe Bild), und von denen sich der Sportsaal distanziert.

In Indien ist die Swastika (das Hakenkreuz) aber ein Glückssymbol. Wikipedia schreibt dazu: “In der indischen Kultur und Religion sind Swastikasymbole seit etwa 5000 Jahren üblich, beginnend mit Siegeln der Indus-Kultur. Die nach rechts abgewinkelte, oft rotgefärbte Swastika ist dort dem Sonnenaufgang, Tag, Heil, Leben, männlichen Prinzip und dem Gott Ganesha zugeordnet. Sie wird darum in Indien für glückbringende Dinge und Symbole verwendet. Ihr steht die „Sauastika“ mit nach links gewendeten Haken und in blauer Farbe gegenüber. Sie bedeutet Sonnenuntergang, Niedergang des Lebens, Nacht, Unheil und Tod. Sie wird dem weiblichen Prinzip und der Göttin Kali zugeordnet.

Die zweite Halbzeit: 

Die Halbzeitpause hat die große Druckphase von Pune erstmal verklingen lassen, in den ersten 15 Minuten der zweiten Hälfte passiert nicht allzu viel vor den Toren. Einzig Tolgay kommt für East Bengal zu einer guten Schusschance nach schöner Drehung, haut den Ball aber deutlich über das Tor. Pune hat die beste Chance durch einen Kopfball von Keita nach schöner Flanke von Douhou.

Ab Mitte der zweiten Halbzeit wird das Spiel dann wieder deutlich temporeicher. In der 65 Minute kommt East Bengal zur bislang besten Möglichkeit durch zwei Schüsse von Tolgay und Penn, sie scheitern jedoch an Abhra Cadabra. Im direkten Gegenzug wird dann Douhou ganz klar im Strafraum gelegt, von hinten in die Beine, doch der Schiedsrichter gibt Abstoß. Klare Fehlentscheidung!

Die Schlussphase dominiert dann erneut Pune, die klaren Torchancen allerdings fehlen. In der 79. Minute passt Keita schön zum eingewechselten Arata, der jedoch am Torwart scheitert. Für den letzten Höhepunkt des Spiels sorgt aber East Bengal: Die Nummer 20 marschiert durch’s halbe Mittelfeld bis zum Strafraum an vier Punern vorbei, sein Schuss ist aber zu ungenau, Torwart Abhra kann klären. Richtig gutes Solo! Leider weiß ich nicht, wer es war und leider ist aktuell auch die Website des East Bengal Club down. Der Server wird wohl vom gleichen Stromanbieter versorgt wie der Flutlichtmast von Pune.

 

Ergebnis:

Pune FC 0

East Bengal Club 0

 

Fazit:

Durchaus glückliches Unentschieden hier für den East Begnal Club. Pune hat mit Ausnahme der ersten 20 Minuten hier das Spiel gemacht und ist auch zu einigen guten Möglichkeiten gekommen. Am Ende fehlt der letzte Tick Entschlossenheit sowie der letzte Kilometer Geschwindigkeit bei den Schüssen, um hier zu einem Sieg zu kommen. Und natürlich ein riesengroßer Tick Auffassungsgabe des Schiedsrichters, der dem Heimteam hier einen glasklaren Elfmeter verweigerte.

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