[News] Deutsches Tennis-Trio in Down Under erfolgreich

Es war am Ende doch eine recht lange Nacht für deutsche Tennis-Fans, denn Angelique Kerber und Mona Barthel mussten in Hobart über drei Sätze gehen. Am Ende aber gewannen beide und treffen nun im Halbfinale aufeinander. In Auckland konnte gleichzeitig Philipp Kohlschreiber ebenfalls ins Halbfinale einziehen.

Quelle: Flickr-User robbisaurus

Quelle: Flickr-User robbisaurus

Angelique Kerber vs. Sorana Cirstea

Die Deutsche startete wie ein D-Zug in diese Partie, nach 14 Minuten bereits führte sie mit 4:0. Und das nicht nur, weil Cirstea viele eigene Fehler machte. Kerber spielte in diesem ersten Satz ähnliches Tennis wie bei den US Open 2011. Halbwegs ordentlicher Aufschlag, dazu druckvolles und fast immer fehlerfreies Grundlinienspiel, so gewinnt sie den ersten Satz mit 6:0. An einem guten Tag braucht sie sich mit einer solchen Leistung gegen niemanden verstecken und vor allem das Linkshänderspiel dürfte einige Spieler vor Probleme stellen. Was Kerber im ersten und zweiten Satz an schönen Longlinwinnern geschlagen hat, wow! Ihr einziges Manko ist noch die Konstanz. An schlechten Tagen läuft gar nichts zusammen, wie beispielweise gegen Pennetta, wo sie in zwei Sätzen die stolze Zahl von 36 Fehlern aufzuweisen hatte. Und dann gibt’s da noch ein zweites Problem.

Wenn es schlecht läuft, dann gleich so richtig. Wenn die Fehler in ihr Spiel krabbeln, dann kann sie diese innerhalb des gleichen Spiels selten wieder raubekommen. Im zweiten Satz hielt die Deutsche drei Mal zu Null, teilweise in unter einer Minute – eine Seltenheit im Damentennis. In den anderen beiden Aufschlagspielen aber lief nichts zusammen, ein Fehler führt bei ihr zu Unsicherheit und meist weiteren Fehlern – ein Teufelskreis. Und so verlor sie den zweiten Satz verdient mit 3:6.

Nach gutem Start im dritten und frührem Break macht ihr eine Handgelenksverletzung zu schaffen. Natürlich ist sowas frustrierend, aber wie sich die Deutsche zwischenzeitlich hängen ließ, ist enttäuschend. Ab der 1:0-Führung lief nichts mehr zusammen. Natürlich kann man das teilweise auf die Verletzung zurückführen, aber es war ja auch nicht das erste Mal, dass ihr sowas passiert. Sie kann sich nur ganz schwer aus Schwächephasen herausziehen. Wenn sie daran arbeitet, hat sie meiner Ansicht nach Top20-Potential. Jedenfalls stand es dann irgendwann 1:4 0:40 aus ihrer Sicht – die Partie war eigentlich gelaufen. Wie genau sie dann zum 2:4 halten konnte, weiß ich nicht mehr, aber es war der Schlüssel zum Erfolg. In der Folge blieb sie immer irgendwie dran und zwang Cirstea am Ende, zum Match zu servieren. Wie das bei den Damen so ist, ging das schief, auf einmal krabbelten die Fehler auch ins Spiel der Rumänin. Zwei Doppelfehler bei 5:3, einer davon bei Matchball, das sagt alles. Kerber kämpfte wieder und gewann am Ende noch mit 7:5 im dritten Satz. Im Halbfinale trifft sie nun auf Landsfrau Mona Barthel – im Duell zweier Spieler, die noch nie im Finale eines WTA-Turniers standen.

Die Spieldaten:

Ergebnis: Angelique Kerber def. Sorana Cirstea 6:0, 3:6, 7:5

Dauer: 1:56h

Asse: Kerber 0 – Cirstea 3

Doppelfehler: Kerber 4 – Cirstea 5

1st serve: Kerber 63% – Cirstea 58%

Punkte 1st serve: Kerber 38/59 (64%) – Cirstea 37/60 (62%)

Punkte 2nd serve: Kerber 18/34 (53%) – Cirstea 18/44 (41%)

Breakbälle: Kerber 6/13 (46%) – Cirstea 4/11 (36%)

Gesamtpunktzahl: Kerber 105 – Cirstea 92

 

Angelique Kerber press conference: Moorilla Hobart International

 

Philipp Kohlschreiber vs. Nicolas Almagro

Parallel zu Angelique Kerber ging in Auckland ein weiterer Deutscher ans Werk. Philipp Kohlschreiber war gegen den Spanier Nicolas Almagro leichter Außenseiter, allerdings spielt der spanische Weltranglistenzehnte viel lieber auf Sand und fällt auf Hardcourts vor allem durch sehr schwankende Leistungen auf, teilweise mit Niederlagen gegen Spieler mit viel geringerem Potential.

Die Partie zwischen den beiden war ein Aufschlagfestival. Im ersten Satz dominierte vor allem Almagro sein Service, Kohlschreiber hatte hingegen ab und an Probleme – mehrmals sah er sich einem 0:30 gegenüber, zwei Breakball musste er zudem abwehren. Insgesamt konnte der Deutsche aber vor allem dann gut servieren, wenn er gefordert war, und sich so zumindest in den Tie-Break retten. Hier hatte Almagro dann zu Beginn zwei Mal die Mini-Break-Führung inne, bevor der Deutsche dann ausgerechnet gegen Ende des Tie-Breaks seine beste Phase hatte. Den Satz beendet er so: “Toller Punkt von Kohli zum 7:6(5) im ersten Satz! Almagro muss über den zweiten gehen, Kohlschreiber macht Druck und wird belohnt. Er hat sogar den Smash getroffen im entscheidenden Ballwechsel.”

Im zweiten Satz läuft dann eigentlich alles wie im ersten Durchgang, Breakchancen hat keiner der beiden Spieler. Bis zum 4:5 aus Almagros Sicht. Da holt sich Kohli die ersten beiden Breakbälle im gesamten Spiel. Den ersten kann Almagro noch abwehren, indem er eine Vorhand aufs Band spielt, den zweiten aber nicht mehr. Mit einem Doppelfehler beendet Alamgro die Partie. Am Ende hat er einen Punkt mehr gemacht, aber mit 2:0 Sätzen verloren. Kohli trifft jetzt in der nächsten Runde auf Olivier Rochus und hat sehr gute Chancen auf den Finaleinzug.

Die Spieldaten:

Ergebnis: Philipp Kohlschreiber def. Nicolas Almagro 7:6(5), 6:4

Dauer: 1:34h

Asse: Kohlschreiber 9 – Almagro 8

Doppelfehler: Kohlschreiber: 1 – Almagro 2

1st serve: Kohlschreiber 59% – Almagro 66%

Punkte 1st serve: Kohlschreiber 34/46 (74%) – Almagro 34/40 (85%)

Punkte 2nd serve: Kohlschreiber: 19/32 (59%) – Almagro 11/21 (52%

Breakbälle: Kohlschreiber 1/2 (50%) – Almagro 0/2 (0%)

Gesamtpunktzahl: Kohlschreiber 69 – Almagro 70

 

Mona Barthel vs. Jarmila Gajdosova

Die deutsche Qualifikantin bereits in ihrem sechsten Turnierspiel hier, wann wird sie müde? Ich habe ja die Leistungen ihrer anderen Spiele nicht verfolgt, aber wirklich berauschend war das heute nicht, auch wenn sie am Ende gewann. Im ersten Satz hatte sie deutliche Startschwierigkeiten, sie fand nicht in ihr Spiel, agierte zu passiv und ließ Gajdosova machen. Die Australierin konnte ihr starkes Offensivspiel aufziehen, und machte wenige Fehler – noch. Gajdosova konnte das Spiel vor allem bestimmen, weil Mona Barthel ihr beim Aufschlag den Ball auf dem Silbertablett servierte. Selbst erste Aufschläge schoss die Australierin durch – und konnte so zu Beginn noch die Schwächen beim eigenen Service ausgleichen und den Satz mit 6:2 gewinnen.

Mona Barthel press conference: Moorilla Hobart International

Doch ab Beginn des zweiten Satzes änderte sich das. Barthel servierte zwar nicht viel besser, immer wieder konnte die Australierin einfache Punkte über ihren Aufschlag machen – aber Gajdosova machte nun in den längeren Ballwechseln fast immer die einfachen Fehler. Natürlich bemerkte das auch Barthel, selbst wenn sie heute nicht ihren besten Tag erwischt haben mag, sie stellt sich darauf ein und spielte defensiver, allzu lange musste sie nicht warten, bis der Fehler von der anderen Seite kam. Das änderte sich auch im dritten Satz nicht mehr, vielmehr verstärkte sich dieser Prozess noch und Gajdosova machte spätestens nach drei bis vier Ballwechseln den Fehler. Zudem schlug Barthel deutlich stärker auf, immerhin vier Asse konnte sie im dritten Satz servieren. Und so gingen die Sätze zwei und drei mit 6:3 und 6:2 an die Deutsche. Keine Glanzleistung hier, aber das wird ihr ziemlich egal sein, denn sie steht zum zweiten Mal überhaupt im Halbfinale eines WTA-Turniers. Ihr allererstes verlor sie in Kopenhagen im Juni vergangenen Jahres gegen Caroline Wozniacki. Im folgenden Halbfinale hat sie nun deutlich bessere Chancen gegen Landsfrau Angelique Kerber. Wenn die halbwegs fit ist, dann muss sich Barthel allerdings deutlich steigern, um zum ersten Mal ein Finale auf der WTA-Tour zu erreichen.

Die Spieldaten:

Ergebnis: Mona Barthel def. Jarmila Gajdosova 2:6, 6:3, 6:2

Dauer: 1:51h

Asse: Barthel 8 – Gajdosova 2

Doppelfehler: Barthel: 0 – Gajdosova 3

1st serve: Barthel 54% – Gajdosova 51%

Punkte 1st serve: Barthel 24/42 (57%) – Gajdosova 29/43 (67%)

Punkte 2nd serve: Barthel 20/36 (56%) – Gajdosova 14/42 (33%)

Breakbälle: Barthel 6/14 (43%) – Gajdosova 5/8 (63%)

Gesamtpunktzahl: Barthel 86 – Gajdosova 77

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