Tennis mit Charme – Der Hopman Cup in Perth 2012

Das erste Turnier des neuen Tennisjahres (Beginn in der Nacht auf Samstag um 02.30 Uhr) ist in seiner Form einmalig. Die Zutaten: ein Mann, eine Frau, acht Tennis-Nationen. Gespielt werden jeweils zwei Einzel und ein Doppel, wer als erstes zwei Punkte erreicht hat, gewinnt (die Mixed-Doppel werden auch gespielt, wenn es schon 2:0 für eine Mannschaft steht). In zwei Vierergruppen werden die beiden Finalteilnehmer ermittelt. Das Siegerteam ist dann inoffizieller Mixed-Weltmeister.

Die Tennis-Saison nimmt ihren Anfang in Perth. Quelle: Flickr-User grevillea.

Quelle: Flickr-User grevillea.

Ernsthafte Mixed-Konkurrenzen kann man sonst nur bei den vier Grand Slam-Turnieren bewundern, wo allerdings die Topspieler fast nie an den Start gehen (Ausnahme in 2012: Olympia). Und so hat man in Perth die seltene Chance, auch ganz große Starts mal miteinander spielen zu sehen. Im vergangenen Jahr beispielsweise Ana Ivanovic und Novak Djokovic. Oder auch Andy Murray und die neue britische Tennis-Hoffnung Laura Robson. 2009 ging das Geschwisterpaar Safina/Safin an den Start, die beide mal an der Spitze der Weltrangliste standen. Wie schön sowas sein kann, bringt bei Youtube ein Fan auf den Punkt: “Love the Safins, wish they played together more than just this one time.”

Dabei geht es in Perth nicht ganz so ernst zu wie auf der regulären ATP- und WTA-Tour. Ich habe mich in dieses Turnier verliebt, als Sabine Lisicki und Nicolas Kiefer im Jahr 2009 an den Start gingen. Die Deutsche lachte fast durchgehend, egal ob Einzelspiele oder Doppel, und wirkte (noch) lockerer als bei WTA-Turnieren. Und so ist es bei vielen Spielern, denn bei diesem Turnier geht es weniger um Weltranglistenpunkte und Preisgeld, als vielmehr darum, das Heimatland würdig zu vertreten und Spielpraxis für die Australian Open zu sammeln. Und nebenbei auch ein wenig Spaß zu haben. Wie man auch bei Sabine Lisicki und Nicolas Kiefer bewundern kann.

Hopman Cup USA vs Germany funny moment (Sabine Lisicki)

Die beiden waren damals auf Finalkurs, bevor Nicolas Kiefer leider von einer Verletzung gestoppt wurde.

Das erste Tennisturnier des Jahres beginnt schon im alten: Die ersten Spiele werden traditionell bereits am Wochenende ausgetragen, bevor dann am Montag die ersten Turniere auf der ATP- und WTA-Tour beginnen. In diesem Jahr fällt der Start auf den Silvestertag und beginnt mit der Partie zwischen Frankreich und China. Das schöne an der Turnierform: Sehr häufig fällt die Entscheidung erst im Mixed-Doppel, und ein schönes Beispiel dafür dürfte China sein. Mit Na Li geht eine Spielerin an den Start, die auf Platz 5 in der Weltrangliste der Damen rangiert, während ihr Teamkollege Wu Di nur Position 421 belegt. Trotzdem kann auch ein Team wie China hier etwas reißen: Wenn Na Li ihrer Favoritenrolle gerecht wird und die beiden gute Mixed-Doppel spielen.

Das Turnier im Überblick:

Gruppe A:

Tschechien (Petra Kvitova & Tomas Berdych)
USA (Bethanie Mattek-Sands & Mardy Fish)
Dänemark (Caroline Wozniacki & Frederik Nielsen)
Bulgarien (Tsvetana Pironkova & Grigor Dimitrov)

Gruppe B:

Frankreich (Marion Bartoli & Richard Gasquet)
Spanien (Anabel Medina Garrigues & Fernando Verdasco)
Australien (Jarmila Gajdosova & Lleyton Hewitt)
China (Li Na & Wu Di)

Zeitzone: UTC/GMT +8 Stunden (Perth 12 Uhr = Berlin 5 Uhr)

Spielplan: hier

Presse-Transkripte: hier

Und wer gewinnt am Ende?

Eigentlich führt kein Weg an Petra Kvitova und Tomas Berdych vorbei. Auf Indoor-Hartplätzen sind sie meiner Meinung nach hier jeweils die besten Spieler. Und wenn doch mal einer ein Spiel verliert (wenn überhaupt könnte das Kvitova gegen Wozniacki passieren oder Berdych gegen Fish), dann bleibt immer noch das Doppel. Und so überrascht es nicht, dass das tschechische Duo hier sogar “odds-on-favourite” ist, wie der Brite sage würde – die Siegwahrscheinlichkeit liegt hier sogar über 50 Prozent. Etwas schade ist das für das diesjährige Turnier, denn eigentlich war auch die Unberechenbarkeit durch die Doppel das, was die Spannung hier ausmachte.

Aber vielleicht kann ja auch ein Team aus der Gruppe B das tschechische Team im Finale ärgern. Möglich ist das, Marion Bartoli und Richard Gasquet (Weltrangliste #9 und #19) sind starke Spieler, die beide als Außenseiter gerne auch mal über sich hinauswachsen. Und auch Jarmila Gajdosova und Lleyton Hewitt dürften nicht chancenlos sein. Bei Gajdosova muss der Aufschlag zuverlässig kommen, bei Hewitt vor allem der Körper mitspielen. Dass Hewitt in der Weltrangliste nur noch auf Position 186 zu finden ist, das muss nichts heißen.

Mein Final-Tipp: Tschechien vs. Frankreich

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