Spiel des Tages: Cerezo Osaka vs. FC Tokio

Ein Glas Rotwein pro Tag soll gesund sein, vielleicht gilt das ja auch für ein tägliches Fußballspiel? Ich werde bestimmt niemals durchhalten, aber 90 Minuten pro Tag für ein interessantes Spiel irgendwo auf der Welt sollten doch eigentlich drin sein. Los geht’s mit dem ersten Halbfinale des Emperor Cups in Japan zwischen Cerezo Osaka und dem FC Tokio.

"Our emblem represents the trinity of the Osaka Football Club, the local community and football, with an image of a cherry blossom, stripes symbolizing rivers in the Aquapolis Osaka, and the “wolf,” one of our team characters placed next to them."

"Our emblem represents the trinity of the Osaka Football Club, the local community and football, with an image of a cherry blossom, stripes symbolizing rivers in the Aquapolis Osaka, and the “wolf,” one of our team characters placed next to them." Quelle: Flickr-User Mixtribe Photo.

Der FC Tokio hat alle Spieler sogar in der Übersicht auf der eigenen Homepage. Cerezo Osaka leider nicht, zumindest nicht auf englisch. Dafür aber gibt es “Company Facts and Figures” und ein Versprechen: “As professionals, we will provide gripping soccer entertainment.” Ich bin gespannt. Gespielt wird im Osaka Nagai Stadium, Fassungsvermögen: 50.000. Wie viele wohl da sind? 7000? 8000?

Der Emperor Cup ist das traditionsreichste Fußball-Turnier von Japan und geht zurück bis ins Jahr 1921. Sagt zumindest der Reporter des heutigen Spiels. Und Wikipedia stimmt ihm zu.

Osaka geht als leichter Favorit in dieses Spiel, mit einer Siegchance von 41 Prozent, die Chancen von Tokio werden mit 31 Prozent taxiert, der Rest geht auf das Unentschieden.

Die erste Halbzeit

In den ersten Viertelstunde spielt nur ein Team: Der FC Tokio, mit gefühlt 80 Prozent Ballbesitz. Die erste Riesenchance hat der der frisch gekürte Zweitligameister dann auch folgerichtig in der elften Minute: Nach einem Missverständnis in der Abwehr von Osaka hat Lucas freie Bahn, scheitert aber kläglich und haut den Ball rechts am Tor vorbei. Die 200.000 Euro Marktwert dürften dann doch in etwa richtig sein.

Aber auch in der Folgezeit spielt nur das Auswärtsteam. Die Nummer 18 hat in der zu ihr passenden Minute und dann noch einmal vier Minuten später gute Gelegenheiten, das Führungstor zu erzielen, doch der Torwart kann zwei Mal klären. Die folgende Ecke sorgt im zweiten Fall ebenfalls für Gefahr – ein Abwehrspieler von Osaka kann zwei Meter vor der Linie klären, doch auch der starke Torwart wäre wohl dagewesen.

Cerezo Osaka kann in den ersten 30 Minuten nur selten in die gegnerische Hälfte eindringen. Zwei Mal gelingt das mit gefährlichen Kontern, allerdings kommt der finale Pass nicht an. Erst gegen Ende der ersten Hälfte wird das sehr faire und flüssige Spiel ausgeglichener. Osaka kann mit zwei Fernschüssen für Gefahr sorgen (30. Takahashi aus 25 Metern/Abpraller kann gerade noch rechtzeitig vom Torwart eingefangen werden, 43. Ogihara aus 32 Metern, Schusstechnik für asiatische Verhältnisse überdurchschnittlich).

Halbzeit:

Die Kirschblüte ist quasi so etwas wie die Nationalblume Japans. Deswegen hat der Verein aus Osaka sich auch gedacht: “Nennen wir uns mal mit Vornamen so. Aber auf spanisch.”

Der Halbzeit-Tweet. Kann man nur zustimmen, oder? Google sagt, dass die Tweeterin sagt, dass es eine gute erste Halbzeit war. Das stimmt so.

Der Halbzeit-Tweet. Kann man nur zustimmen, oder? Google sagt, dass die Tweeterin sagt, dass es eine gute erste Halbzeit für den FC Tokio war. Das stimmt so, treffende Analyse.

Den ultimativen Kirschblüten-Song gibt es hier. Vielleicht erklärt er auch, warum Japaner viel seltener foulen als Südamerikaner oder Europäer und viel besonnener agieren.

Die zweite Halbzeit:

In der ersten Viertelstunde spielt nur ein Team: Cerezo Osaka, mit gefühlt 80 Prozent Ballbesitz. Allerdings längst nicht so druckvoll, wie das Tokio zu Beginn der ersten Halbzeit gelang. Der finale Pass kommt auch weiterhin nicht an. In der Folge neutralisieren sich beide Teams, Tokio gelingt nur ein mittelprächtiger Fernschuss durch 200.000 Euro-Mann Lucas.

In der 77. Minute gelingt dem FC Tokio dann quasi aus dem Nichts der Führungstreffer. Lucas wird an der Strafgraumgrenze angespielt und legt ab auf Tatsuya Yazawa, der den Ball mit einem Gewaltschuss aus etwa 20 Metern unhaltbar unter die Latte haut. Ist ja auch immerhin 350.000 Euro wert der Mann. Klasse Tor!

Die Fans des FC Tokio. Quelle: Flickr-User jamesjustin

Die Fans des FC Tokio. Quelle: Flickr-User jamesjustin

Osaka braucht etwas, um sich von diesem Schock zu erholen, kann aber ab der 85. Minute noch einmal richtig Druck aufbauen. Die beste Chance des Spiels hat in der 87. Minute Ryuji Bando, der nach Vorlage eines Mitspielers aber nicht zum Torabschluss kommt. Bando ist der Unruheherd der Schlussphase, in der 92. Minute gelingt ihm ein gefährlicher Kopfball, den Tokios Schlussmann zur Ecke abwehrt. Die anschließende Ecke landet dann auch im Tor. Allerdings hat Bando ihn dort mit der Hand hineinbefördert.

Die Spieler von Tokio rennen auf ihn zu, allerdings wollen sie ihn eher freundlich dazu überreden, dass er seine Tat gesteht. Der Schiedsrichter hat aber sowieso alles gesehen, gibt Rando die gelbe Karte und pfeift drei Minuten später die Partie ab. Der FC Tokio steht erstmals in seiner Vereinsgeschichte im Finale des Emperor Cups und kann im Nationalstadion von Tokio vor heimischer Kulisse am Neujahrstag um den Pokalsieg spielen. Vielleicht ja vor etwas mehr als den 6.000 Leuten, die 2004 da waren, als zuletzt ein Verein aus der Hauptstadt im Finale stand.

Fazit:

Ein sehr flüssiges und schön anzuschauendes Spiel, das am Ende mit Tokio den verdienten Sieger findet. Ich bin überrascht, über die wenigen Fouls, in beiden Halbzeiten waren es maximal zehn. Und ich bin ebenso überrascht über die technischen Fähigkeiten, vor allem beim Abschluss. Japanischer Fußball mag auch asiatischer Fußball sein, aber kein typischer asiatischer Fußball, mit wenigen Toren und teilweise kläglichen Abschlüssen. Ganz viele kleine Kagawas waren am Werk, kein Wunder, dass die Vereinsfarben von Tokio an den FC Barcelona erinnern.

Auch in der Schlussphase gab es nur einen taktischen Wechsel und kaum Spielunterbrechungen. Eins ist sicher: Die Japaner schauen wenig europäischen (und nie italienischen) Fußball. Oder sind einfach von Natur aus lieber.

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