Platzstürmende Düsseldorfer, Champions-League-träumende Kölner, gewaltbereite Dresdner – ausgelutschte Plattitüden gehen immer

Ein Satz bringt das ganze Problem auf den Punkt. Die 11Freunde versuchten in der Printausgabe mal wieder witzig zu sein (bitte in diesem Satz das Wort “versuchten” betonen) und schrieben zum Transfer von Robert Tesche nach Düsseldorf sinngemäß, dass ”ein leidenschaftsloser Spieler einem Verein gut tut, dessen Fans den Platz stürmen und dessen Kapitän Bengalos abbrennt”. Eigentlich ist der Satz nicht mal einen Kommentar wert, aber er zeigt ein Problem, das sich von der Journaille bis an die Stammtische zieht.

Kaum etwas ist ausgelutschter als Gags über den Platzsturm von Düsseldorf. Jeder einigermaßen geistig anwesende Mensch kommt zu dem Schluss, dass es nicht besonders analytisch ist, wenn man den kompletten Verein und/oder all seine Fans mit diesem Platzsturm gleichsetzt. Das ist ähnlich brauchbar wie die ständige Wiederholung von Kopfstoß-Meier, Brandstifter-Breno oder die immer wieder verbreitete Erkenntnis, in Köln würden sie nach zwei Siegen in Folge von der Champions League träumen (aber dazu später mehr).

Warum machen die 11Freunde das? Erstens, weil nichts günstiger ist als ein billiger Witz. Und zweitens, weil sie vermutlich zu faul sind, um den Transfer von Tesche professionell zu bewerten. Man könnte ja durchaus drüber streiten, ob dieser Einkauf zu diesem Zeitpunkt sinnvoll war und – wenn man sich denn auskennen würde – dies auch mit der Identität (oder nennen wir es Anatomie) des Vereins in Zusammenhang setzen. So aber hat man nur eine Zote gerissen, die auf einem Niveau liegt mit ebenfalls kürzlich lesbaren Sätzen wie “was will man auch von Fans erwarten, die einen Abstoßpfiff nicht von einem Schlusspfiff unterscheiden können?”. continue reading…

Video des Tages: 75.000 Dollar und ein LeBron-Hug

LeBron tackles Heat fan who hits ,000 shot!

Der kritischste Artikel über Superlative aller Zeiten

Die Krone setzte sich der “Kicker” auf, Ende der Hinrunde: “Superlative mag Domi Kumbela (28) nicht, seine Antworten wirken immer eher bedächtig und zurückhaltend”, stand dort im Einstieg eines Artikels über den Braunschweiger Dauerknipser. Und als ich gerade dachte, schön, eine leise Kritik an Superlativen – da las ich weiter: “‘Ich fühle mich fitter und besser als je zuvor’, sagt Braunschweigs Deutsch-Kongolese”. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen! So weit ist es schon gekommen, dass ein Zeitungsredakteur einen Superlativ nicht mal mehr als solchen erkennt, weil es nicht der maximalst vorstellbare Superlativ ist.

Wo man hinschaut, man wird überhäuft mit Superlativen: “Schönstes Tor aller Zeiten”, “Geilste Parade der Fußballgeschichte”, “Witzigster Freistoß seit Erfindung des Sports”, “Bester Spieler seit Pélé”, “Brutalstes Foul seit Menschengedenken”. Besonders bei Facebook und Twitter versuchen allerlei Fußball-Seiten ihre Videos und Geschichten mit immer tolleren Überhöhungen zum Klickmonster zu machen. Aber auch in den Zeitungen und ihren Online-Auftritten gibt es häufig keine Chance, der Superlativierung zu entkommen. Kaum ein Tag ohne ein Spektakel, eine Sensation, eine Blamage, einen Skandal; jeder Regionalligakicker ist ein Star, jedes Tor ein Traumtor, jedes 4:1 ein Kantersieg, kaum ein Adjektiv kommt mehr ohne die magische Endung -ste aus.

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Der Sportsaal feiert heute seinen ersten Geburtstag. Los ging alles mit dem “Spiel des Tages” zwischen Cerezo Osaka und dem FC Tokio. 25 Tage in Serie gab’s dann ein Spiel des Tages. Ob Israel, Wales oder Indien – es hat großen Spaß gemacht. Mit der Zeit wurden die autistischen Schwachsinnsprojekte weniger und die Fortuna- und Fußballbeiträge mehr. Wie es hier genau weitergeht im neuen Jahr, das wissen wir noch nicht. Fest steht aber: Es geht immer weiter. Auch hier.

Buchstabieren Sie mal Realitätsferne, Herr Seifert von der DFL!

Es ist ein phasenweise interessantes Interview, dass die 11Freunde da mit DFL-Geschäftsführer Christian Seifert geführt haben. Nicht, weil Seifert besonders interessante Sachen zu erzählen hätte. Nein, vorrangig deswegen, weil er an manchen Stellen ziemlich krude Dinge sagt.

Zum Beispiel das hier:

Für uns ist klar, dass die Bundesliga zu einem großen Teil von Klubs mit lebendigem Vereinsumfeld und großem Fananhang lebt. Allerdings zeigen die letzten Jahre, dass Tradition allein nicht ausreicht. In der Bundesliga spielen derzeit mehrere Teams, die vielleicht nicht in der ganzen Republik Fans haben, aber sportlich gut arbeiten. Ich kenne niemanden, der Fürth nicht den Aufstieg gegönnt hätte.

Er hätte kein schlechteres Beispiel wählen können, denn keiner der Hoffenheim-Wolfsburg-RedBull-Kritiker hat irgendetwas an der SpVgg Greuther Fürth auszusetzen. Dieser Verein hat Tradition, hat sich den Aufstieg ohne großen Konzern im Rücken redlich erarbeitet, kann sich den Klassenerhalt nicht mit einer Finanzspritze des Mäzens erkaufen und wird nicht wieder verschwinden, wenn der Geldgeber keine Lust mehr auf sein Spielzeug hat. Also hat Herr Seifert entweder nicht verstanden, worum es überhaupt geht. Oder er hat nicht verstanden, worum es überhaupt geht.

Aber um gute und böse Klubs soll es hier gar nicht gehen. Sondern um ein weiteres Zitat von Seifert. Der sagt nämlich folgendes (wichtigste Stelle gefettet): continue reading…

50 Jahre Kicker Elf des Jahres – eine mehr oder weniger sinnvolle Analyse

Es ist ein Traum für alle Statistikfreaks, den der Kicker gerade wahr werden lässt. Zur 50. Jubiläumssaison der Bundesliga haben die Nürnberger Sportmagazin-Jungs ihren Internetauftritt mit allerlei Wissenswertem von 1963 bis heute vollgeklatscht.

Die Wunderwelt für Zahlennerds findet ihr unter diesem Link.

Wir wollten daraus auch einen Mehrwert an sinnloser Statistik generieren und haben uns deshalb überlegt, die Kicker Elf des Jahres von 1964 bis 2012 (1963/64 gab es noch keine Elf des Jahres) zu durchforsten und den Spieler zu finden, der darin am öftesten vertreten war. Eine inoffizielle, statistisch nicht unbedingt repräsentative Spieler-der-Bundesliga-Spielerei quasi. Hier sind die Ergebnisse: continue reading…

Fünfeinhalb Jahre Wolf Werner – eine Transferbilanz

Seit dem 11. April 2007 führt Wolf Werner die Geschicke von Fortuna Düsseldorf. Unter seiner Ägide hat sich der Klub in der Regionalliga (damals noch drittklassig) konsolidiert, wurde zum Aufstiegskandidaten, stieg auf und kehrte  nach dreijährigem Intermezzo in der Zweiten Bundesliga nach 15 Jahren Abwesenheit wieder in die Bundesliga zurück. Hängt der Aufschwung damit zusammen, dass Werner und sein Trainer Norbert Meier einen Transfercoup nach dem nächsten landeten – oder braucht es dafür gar keine überragende Quote in der Breite, sondern  nur ein paar extreme Glücksfälle? Wie schon bei den Transferbilanzen von Felix Magath, Klaus Allofs und Michael Zorc wurden alle Neuzugänge der vergangenen sechseinhalb Jahre individuell analysiert und in fünf Kategorien eingeteilt, von Pfeil hoch bis Pfeil runter.

 

Das Fazit:

72 Spieler hat Wolf Werner in seiner Zeit als Fortuna-Manager verpflichtet, wobei wir in unserer Analyse 64 Spieler bewertet haben – aus dem einfachen Grund, dass die noch junge Saison 2012/13 bei einigen Spielern einfach noch kein Urteil zulässt. 25 der 64 werden als Volltreffer bewertet (++); das sind genau 39 Prozent der Transfers. Weitere sechs Spieler können als überdurchschnittliche Einkäufe beurteilt werden (9,6%). Mit 48,4% haben demnach nahezu die Hälfte der Neuzugänge eine wichtige Rolle bei der Fortuna gespielt. Demgegenüber stehen 9 Transferflops (14,1%) und 10 Neuverpflichtungen haben die Erwartungen eher nicht erfüllt (15,6%). 19 von 64 Spielern (29,7%) – also knapp ein Drittel der Werner-Einkäufe muss damit eher negativ gesehen werden.

Zunächst eine Interpretation des Positiven: Genauso wie bei Magath, Allofs und Zorc fällt auf, dass einem wichtigen sportlichen Erfolg häufig eine Häufung von guten Einkäufen vorausgeht – manchmal mit einem Jahr vorlauf, manchmal in der erfolgreichen Saison selbst. So hatte Wolf Werner in der Saison 2007/08, also ein Jahr vor dem Zweitligaaufstieg, eine Trefferquote von sieben wichtigen Neuzugängen, die (bis auf Michael Ratajczak, der erst später wichtig wurde) eine prägende Rolle im Aufstiegsteam spielten. Genauso verhielt es sich in den beiden Jahren vor dem Erstligaaufstieg, als man mit 5 bzw. 6 sehr positiv beurteilten Transfers die Grundlage für eine erfolgreiche Elf im Aufstiegsjahr schuf. Betrachtet man den aktuellen Kader, so bleibt festzuhalten, dass sich das Gesicht der Mannschaft in der Zeit von Wolf Werner immer wieder verändert hat (und ob der sportlichen Erfolge auch verändern musste) und mit Andreas Lambertz und Jens Langeneke nur noch zwei Spieler aus der Prä-Werner-Ära im Kader stehen. Die 25 sehr gut bewerteten Transfers (mehr als zwei ganze Stammmannschaften) sprechen hier eine deutliche Sprache einer erfolgreichen Weiterentwicklung des Kaders.

Während 14 Spieler eine durchschnittliche Bewertung erhalten haben, gab es auch 19 Kicker, die sich auf Geheiß von Werner nach Düsseldorf verirrten und die Historie des Vereins nicht unbedingt neu schrieben. Das hat vor allem zwei gewichtige Gründe: Zum einen wird in den unteren Ligen so gut wie nie Ablöse bezahlt, deshalb gleicht die Transferpolitik häufig einem Trial and Error Verfahren, in dem ein paar Spieler geholt werden, in der Hoffnung, dass einige von ihnen den Sprung zur Stammkraft schaffen. Natürlich ergibt sich dabei auch – hart ausgedrückt – Ausschussware.

Zum Zweiten fällt auf, dass Werner insbesondere bei jenen Spieler, die viel Geld kosteten, überdurchschnittlich oft daneben lag. 3,48 Millionen Euro hat er laut den Transfersummenangaben von transfermarkt.de in den sechseinhalb Jahren für Spieler ausgegeben. 2,05 Millionen davon in dieser Transferperiode Sommer 2012. Von den restlichen 1,43 Millionen Euro entfallen 550,000 Euro auf die Transferflops Bulykin und Wellington – ergo 38,5 Prozent. Dafür, dass in dieser Zeit überhaupt nur sieben Spieler mit Ablöse geholt wurden, ist das ein relativ hoher Wert (zum Vergleich – 2/7 sind 28,6%). continue reading…

Fortuna Düsseldorf – wer mit den Großen spielen will, muss auch lernen, dass es dabei auf die Fresse gibt

15 Jahre fehlte Fortuna Düsseldorf in der 1. Bundesliga. Die ersten sechs bis sieben Jahre davon ging es nur bergab mit vielen peinlichen und schmerzhaften Niederlagen, Söldnertruppen, Geldverschleudermanagern und niedrigen Zuschauerzahlen. Die zweite Hälfte dieser Zeit ging es eher bergauf, erst langsam, seit drei bis vier Jahren dann im Kometentempo. Auf diesem Weg hat Fortuna Düsseldorf viele neue Fans eingesammelt, die Fortuna nur als siegreichen, aufstrebenden Verein kennen, der wächst und wächst und begeistert und Spaß bereitet.

Seit zwei Wochen ist es plötzlich wieder anders. Fortuna verlor zunächst erwartungsgemäß gegen Bayern München mit 0:5, bekam dann die nächste Klatsche mit 1:4 gegen den entmagathisierten VfL Wolfsburg. Da schauen sie sich um, all jene, die den Abstieg damals nicht mit begleitet haben (ob aus Altersgründen oder weil Familie, Haustier oder andere Hobbies gerade wichtiger waren). Das hier soll kein berühmt-populäres Eventie-Bashing werden. Nein, es soll ein Ausblick werden, auf das, was die Realisten unter uns jetzt erwartet, die eigentlich über das 1:4 gegen den die Gölfe schon nicht verwundert waren.

Fortuna Düsseldorf ist mit einer nicht gerade überbezahlten, knapp überdurchschnittlichen Zweitligamannschaft aufgestiegen und hat dann auch noch Säulen wie Maximilian Beister (Zug zum Tor), Thomas Bröker (Körper und Laufleistung wie ein Zug) und Assani Lukimya (Verhinderung des gegnerischen Zugs zum Tor) abgeben müssen. Der von Euphorie getragene Saisonstart, der glücklicherweise wichtige Punkte gegen die direkten Abstiegskonkurrenten (Augsburg und Fürth) und Überraschungspunkte (Gladbach, Schalke, Stuttgart) einbrachte, schürte bei manch einem wohl die Erwartung, dass die Truppe trotzdem so weiter machen würde wie sie es in den vergangenen Jahren tat. Dass wir diese Punke geholt haben, bedeutet allerdings mitnichten, dass wir plötzlich irgendwelche Gegner einfach weghauen in dieser Liga.

Denn da kommen Mannschaften mit Millionarios wie Ribéry und Müller oder Diego und Olic und sezieren jede Unzulänglichkeit, jeden Mangel an Präzision, jeden Stellungsfehler brutal. continue reading…

Zehn Dinge, die wir beim Fußball hassen

Und auch ein bisschen Hass. Heute: Zehn Dinge, die wir beim Fußball hassen

 

1. Ausgleich für den Gegner in der Nachspielzeit

2. Wenn ein Spieler sich über Außen schön durchsetzt und dann die Flanke kläglich verhunzt

3. Nach einem leichten Schubser fallende Kicker, die sich dann krümmen und das Gesicht halten

4. Vierte Offizielle, die Emotionen bei den Trainern unterbinden

5. Tore kurz vor dem Ende der Verlängerung, die uns ums Elfmeterschießen betrügen

6. Gelbe Karten für Trikot ausziehen und auf den Zaun springen

7. Eine Minute Nachspielzeit, wo nach einem rassigen Match mindestens vier Minuten fällig gewesen wären

8. Freistöße aus dem Halbfeld, die auf dem Kopf des vordersten Gegenspielers landen

9. Vergebene Großchancen, nach denen es nicht mal Ecke gibt

10. Wenn Wolfsburg gewinnt, obwohl sie wie Wolfsburg spielen

 

Was ärgert euch beim Fußball immer wieder?

Zehn Dinge, die wir beim Fußball lieben

Mehr Liebe im Blog. Heute: Zehn Dinge, die wir beim Fußball lieben

 

1. Geschichten, die der Fußball schreibt

2. Der tödliche Pass

3. Tore nach weiten Einwürfen

4. Der Moment, wenn ein Spieler des Gegners nach einer Gelb-Roten Karte vom Platz geht

5. Flügelwechsel genau in den Fuß des Mitspielers

6. Wenn der Torwart kurz vor Schluss bei einer Standardsituation mit nach vorne geht

7. Torjubel

8. Freistöße aus dem Halbfeld, die am Fünfer auftitschen und unberührt ins lange Ecke fliegen

9. Gegentore, die wegen Abseitsposition nicht anerkannt werden

10. Tackling des Mittelstürmers an der eigenen Eckfahne

 

Was liebt ihr noch beim Fußball?